Mars und Sirius regieren die Herbstnächte

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Im Oktober leuchtet der Rote Planet am Sternenhimmel über Hamburg bis Mitternacht heller als jeder andere Stern.

Hamburg. Alle Sterngucker können sich freuen, denn zwei Faktoren sorgen dafür, dass wir immer früher den Blick in einen dunklen Nachthimmel werfen können: Zum einen ist unser Blick zur Sonne zunehmend südwärts gerichtet. Hinzu kommt das Ende der Sommerzeit am 28. Oktober.

Zu Monatsbeginn stört beim frühen Anbruch der Nacht kein Mondlicht die Beobachtung. Nach wenigen Tagen hat sich der abnehmende Mond auch aus der zweiten Nachthälfte zurückgezogen. Am 9. Oktober ist Neumond, und spätestens am 13. zeigt sich die Sichel des zunehmenden Mondes wieder am Abendhimmel. Nach der Halbmondstellung am 16. Oktober sorgt unser Begleiter dann für einen hellen Schein, gegen den sich nur mehr die hellsten Sterne behaupten können.

Uranus und Neptun sind nur etwas für Spezialisten

Gemeinsam mit der Sonne sinken abends die Sternbilder Jungfrau und Waage unter den Horizont. Den ganzen Oktober zieht die Sonne vor dem Hintergrund der Jungfrau südwärts und tritt am Monatsende in das Sternbild Waage. Beide Sternbilder sind daher im Oktober nicht zu sehen. In dieser südlichen Region des Tierkreises wandert auch Venus. Sie geht bei uns bereits vor der Sonne unter und ist nicht zu sehen.

Der „Star des Abendhimmels” bleibt Mars. Als auffällig rötlicher Lichtpunkt schält er sich über dem Südsüdosthorizont aus der Abenddämmerung. Gegen 21 Uhr Sommerzeit steht er im Süden. Und obwohl Mars seit seiner nahen Begegnung mit unserer Erde Ende Juli schon deutlich an Helligkeit verloren hat, leuchtet er bis Mitternacht weiterhin heller als jeder andere Stern am Himmel. Auch im Fernrohr bleibt er weiterhin ein lohnendes Objekt, obwohl wir nun bereits doppelt so weit von ihm entfernt sind wie noch Anfang August.

Deutlich ungünstiger sind die Bedingungen für die Beobachtung des Saturn. Der Ringplanet kann nur am frühen Abend, tief im Südsüdwesten, im Sternbild Schütze gesichtet werden. Am 14. Oktober gesellt sich abends eine dicke Mondsichel zu Saturn. Unser Erdtrabant eignet sich recht gut, um unseren Blick zu den Planeten zu führen. So finden wir Mars am 18. gleich neben dem bauchigen Mond. Zwei Nächte später weist uns die Mondkugel die ungefähre Richtung zum fernsten Planeten Neptun im Sternbild Wassermann. Und in der Vollmondnacht vom 24. auf den 25. Oktober steht der Vollmond knapp unter Uranus, der wie der Vollmond der Sonne gerade gegenübersteht und die ganze Nacht am Himmel bleibt.

Uranus und Neptun sind aber nur etwas für Spezialisten, die sie mit einem Fernglas im Gewimmel der schwächeren Sterne aufspüren können. Mit rund drei Milliarden Kilometern Distanz ist Uranus doppelt so weit wie Saturn und damit rund 20-mal weiter als unsere Erde von der Sonne entfernt, von der sie Licht und Wärme bekommen.

Die sieben Sterne des Große Wagen

Auch am Sternenhimmel ist der Herbst eine Zeit des Übergangs. Die hellen Sterne rund um die sommerliche Milchstraße stehen nur noch zu Beginn der Nacht hoch am Himmel und haben sich spätabends bereits nach Südwesten verlagert, während sich im Osten die ersten hellen Sterne des Winters ankündigen. Fast senkrecht über unseren Köpfen steht dann die Zickzacklinie des Himmels-W, das von den hellsten Sternen der Kassiopeia gebildet wird. Dieses Sternbild ist genauso wie der Große Wagen „zirkumpolar“, also das ganze Jahr über zu sehen. Die mittlere Spitze des „W“ deutet in etwa in Richtung Nordstern. Darunter, tief am Nordhorizont finden wir die sieben Sterne des Großen Wagens.

Das auffällige Sommerdreieck mit den Sternen Wega (im Sternbild Leier), Deneb (im Schwan) und Atair (im Adler) ist bereits nach Südwesten gerückt. Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße hinauf zum Himmels-W und weiter zum Osthorizont. Dort funkeln der helle Stern Capella im Fuhrmann und daneben der Aldebaran im Stier. Schon mit bloßem Auge erkennen wir rund um Aldebaran den V-förmigen Sternhaufen der Hyaden und daneben die dichtere Sternengruppe der Plejaden, das Siebengestirn.

Während im Osten wie auch im Westen prächtige Sterne den Himmel schmücken, klafft im Süden, gewissermaßen ein „Loch am Himmel“. Nur ganz tief im Süden funkelt im Horizontdunst ein vergleichsweise heller Stern – der Stern Fomalhaut – hellster Stern im Sternbild Südlicher Fisch. Ringsherum tummeln sich weitere Geschöpfe aus dem wässrigen Element. Links neben Atair, über dem Planeten Mars im Steinbock, erkennen wir die kleine Sternfigur des Delfins.

Weiter östlich am Horizont erstrecken sich die beiden aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann und Fische sowie südlich davon Cetus, der Walfisch. Aus den Fluten dieses „Sternenmeeres“ scheint auch das geflügelte Pferd Pegasus­ himmelwärts zu springen. Die drei hellsten Sterne dieses Sternbildes gehören zum Herbstviereck, das abends halbhoch im Süden platziert ist und im Laufe der Nacht nach Westen driftet. Der vierte Stern, der nordöstlichste in diesem Herbstviereck, ist der Hauptstern Alpha im Sternbild Andromeda.

Spektakuläre Mitternacht

Nach Mitternacht wird der Himmelsanblick­ spektakulärer: Das prächtige Wintersternbild Orion mit seinen markanten drei Gürtelsternen geht im Südosten auf, gefolgt von Prokyon, Hauptstern im Kleinen Hund. Er kündigt das Erscheinen des Großen Hundsterns Sirius an, der ab 3 Uhr morgens in der Verlängerung der drei Gürtelsterne hell funkelnd auftritt. Sirius „regiert“ als hellster Stern den Morgenhimmel.

Die vollständige Monatssternkarte aus dem Planetarium Hamburg kann online mit dem dazugehörenden Sternen-Podcast heruntergeladen werden: www.abendblatt.de/sterne