BerliN

Zahngesundheit wird im Alter oft unterschätzt

Der Zustand der Mundhöhle beeinflusst die Entstehung von Erkrankungen im restlichen Körper wie etwa einer Lungenentzündung

BerliN. Werden ältere Menschen pflegebedürftig, bleibt die Zahngesundheit oft auf der Strecke. „Viele Verwandte sind völlig ahnungslos, was sie an Pflege machen sollen“, sagt Erling Burk, Experte für Alterszahnheilkunde und Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Nordrhein. Die Zähne würden als nicht mehr so wichtig erachtet.

Burk schildert das Beispiel eines leicht dementen Patienten in einem Altenheim am Niederrhein, in dem er so etwas wie der Haus-Zahnarzt ist: „Über die Monate ist der Mann immer schwieriger geworden. Extrem aggressiv, hat nicht mehr gegessen und nicht mehr getrunken.“ Als Burk dem alten Herrn genauer in den Mund schaute, fand er einen vereiterten Zahn. Als der raus war, „war der Mann wie neu“.

Am Tag der Zahngesundheit am 25. September machen Zahnärzte bundesweit in vielen Veranstaltungen auf das Thema Mund- und Zahngesundheit bei Handicap und bei Pflegebedarf aufmerksam. In Videos wird auch Angehörigen gezeigt, wie Zahnpflege in der Pflege richtig geht (online unter www.tagderzahngesundheit.de). „Mit einer guten, adäquaten Mundhygiene kann man für den Patienten erheblich mehr Lebensqualität gewinnen und das Erkrankungsrisiko senken“, sagte der Vorstand der Bundeszahnärztekammer, Professor Dietmar Oesterreich.

Was vielen Menschen nicht klar ist: Wenn die Gesundheit im Mund nicht stimmt, kann das dramatische Konsequenzen für den Körper haben. „Die Mundhöhle ist nicht getrennt vom menschlichen Körper“, sagt Oesterreich. Es gebe Verbindungen zu verschiedenen Erkrankungen.

Eine der häufigeren körperlichen Folgeschäden bei Pflegebedürftigen sei die Aspirationspneumonie: Durch starke Vermehrung der Bakterienflora in der Mundhöhle werden Bakterien eingeatmet, die zu einer Lungenentzündung führen können. „Durch eine regelmäßige Mundhygiene in dieser Lebensphase kann dieses Risiko deutlich gesenkt werden“, sagt Oesterreich. Anderes Beispiel: Parodontitis. „Je stärker die Parodontitis, desto schlechter kann der Zuckerwert eingestellt werden.“

Seit 2014 gibt es die Kooperationsmöglichkeit zwischen Zahnärzten und stationären Pflegeeinrichtungen. Vorbehalte habe es aber auf beiden Seiten gegeben, sagt Burk. Nachdem bundesweit nur etwa jede dritte Pflegeeinrichtung fest mit einem Zahnarzt kooperiere, gebe es jetzt eine Verpflichtung zur Kooperation.