Hamburg

Mars und Merkur umrahmen die Nacht

Am 23. September kreuzt die Sonne den „Herbstpunkt“. Die Chancen stehen gut, die hellsten Sterne am nördlichen Sternenhimmel zu sehen

Hamburg.  Der tägliche Bogen der Sonne am Firmament wird rasant kürzer, und am 23. September – exakt um 3.54 Uhr – ist der Sommer zu Ende. Dann kreuzt die Sonne im „Herbstpunkt“ die Ebene des Erdäquators und bestrahlt für ein halbes Jahr die Südhalbkugel unseres Planeten. Der Herbstpunkt wird auch „Waage-Punkt“ genannt, denn er markiert die Ausgewogenheit zwischen Tag und Nacht. Er liegt, ebenso wie das Tierkreiszeichen Waage, im Tierkreissternbild Jungfrau – Sternbilder und Sternzeichen sind nicht dasselbe! Erst Ende Oktober erreicht unsere Sonne das Sternbild Waage.

Zu Monatsbeginn nimmt der Mond ab und geht erst spätabends auf. Immer weiter zieht er sich in die zweite Nachthälfte zurück – bis er am 9.September die Neumondstellung erreicht. Ab 12. September taucht er wieder als zunehmende Sichel im Westen auf. In der zweiten Monatshälfte wird er zum „Störenfried“ für alle, die einen prächtigen Sternenhimmel mit Milchstraße genießen wollen: Er wird immer dicker und runder und erreicht am 24. im Sternbild Fische die Vollmondstellung. Da er stetig an Höhe gewinnt, gelingt es ihm, bis zum Monatsende den Abendhimmel zu beherrschen. Die Rolle eines „Abendsterns“ hat nun Jupiter von Venus übernommen. Der Riesenplanet leuchtet nach 20 Uhr in der Abenddämmerung über dem Südwesthorizont und geht vor Dämmerungsende unter.

Nur wer in südlicheren Breiten weilt, kann auch Venus noch als „Abendstern“ erleben. Venus ist jetzt so hell, dass man sie auch am Taghimmel finden kann – rund 40 Grad östlich der Sonne. Da sie im Tierkreis zunehmend südlicher als die Sonne steht, sinkt sie bei uns bereits wenige Minuten nach der Sonne und ist nicht mehr zu sehen.

Länger bleiben Saturn und Mars am Himmel. Wir finden diese beiden Wandersterne weiter südlich, „links von Jupiter“ und recht tief am Himmel – in den Sternbildern Schütze und Steinbock. Auch diese beiden Planeten haben ihre Glanzzeit hinter sich. Unsere Erde entfernt sich immer weiter von Mars, daher nimmt seine Helligkeit im Laufe des Monats deutlich ab. Dennoch bleibt er nach dem Untergang des Jupiters der hellste Lichtpunkt des Himmels – und fällt durch seine rötliche Farbe besonders auf. Saturn kann da nicht mithalten – er ist deutlich lichtschwächer.

Nur kurze Zeit noch können wir die drei Planeten gleichzeitig sehen. Es lohnt sich! Gegen 20.30 Uhr sind in Abenddämmerung alle drei Wandergestirne nahezu auf gleicher Höhe über dem Horizont. Vom 13. bis 20. September gesellt sich der zunehmende Mond dazu. Für absehbare Zeit ist es die letzte Möglichkeit, diese vier Gestirne zusammen am Himmel zu erleben – erst im Frühjahr 2020 werden sie eine Wiedervereinigung am Morgenhimmel feiern!

Fast senkrecht über uns leuchten die beiden auffällig hellen Sterne des Sommerdreiecks – Wega und Deneb. Wega ist dabei der hellere. Unterhalb der beiden steht der etwas schwächere Stern Atair, der die Südspitze des Sommerdreiecks markiert. Dieses riesige gleichschenkelige Dreieck aus Wega. Deneb und Atair bleibt die ganze Nacht am Himmel und ist bis in den Dezember beobachtbar. Im September steht es um 22 Uhr optimal in der Himmelsmitte.

Wussten Sie, dass es am Sternenhimmel auch das „Kreuz des Nordens“ gibt? Während das viel berühmtere „Kreuz des Südens“ in unseren Breiten nie zu sehen ist, kann man seinen viel größeren „Bruder“ am nördlichen Sternenhimmel jetzt besonders schön erkennen, bei Anbruch der Nacht fast senkrecht über der Südrichtung.

Im Gegensatz zum „Kreuz des Südens“ ist diese Sternenfigur allerdings kein offizielles Sternbild, sondern sie markiert nur die hellsten Sterne des noch größeren Sternbildes Schwan (lateinisch Cygnus). Deneb, der hellste Stern in diesem Sternbild und gleichzeitig der nordöstlichste Stern des Sommerdreiecks, markiert den Gipfelpunkt dieses Sternenkreuzes.

Die „Nummer eins am Nordhimmel“ steht im Westen

Wer die hellsten Sterne am nördlichen Sternenhimmel sehen will, hat jetzt die allerbesten Chancen. Arktur, die „Nummer eins am Nordhimmel“, fällt uns bei Einbruch der Dunkelheit halbhoch im Westen sofort auf. Eine rote Riesensonne in knapp 37 Lichtjahren Distanz. Nahezu senkrecht über unseren Köpfen funkelt zur selben Stunde der zweit­hells­te Stern am nördlichen Sternenhimmel, die Wega. Sie ist nur 25 Lichtjahre entfernt. Senken wir unseren Blick zum Nordosthorizont, grüßt dort das Funkeln der Capella im Sternbild Fuhrmann. Sie ist die Nummer drei des Nordhimmels. Mit 42 Lichtjahren ist auch sie ein „Nachbar“ unserer Sonne. Bis Mitternacht sind die drei Sterne Arktur, Wega und Capella gleichzeitig am Himmel. Dann verabschiedet sich Arktur am Westhorizont, während Capella im Osten immer höher steigt. Erst nach Mitternacht geht dann im Südosten Sirius auf, der hellste Fixstern des ganzen Himmels.

Zwischen Arktur im Westen und Capella im Osten leuchten im Norden die hellsten Sterne des Großen Bären, die Sterne des Großen Wagens . Dieser strebt nun auf seine tiefste Stellung im Norden zu.

Der ganze Südostbereich des Himmels ist spätabends von einer Art „himmlischen Aquariums“ ausgefüllt. Über Mars und links neben Atair erkennen wir die kleine Sternfigur des Delfins und weiter östlich die beiden lichtschwachen Sternbilder Wassermann und Fische. Hoch über dem Wassermann bilden die drei hellsten Sterne zusammen mit dem Stern „Alpha“ im Sternbild Andromeda das „Herbstviereck“. Im Osten tauchen die ersten Vorboten des Winters auf – der Stier mit dem Siebengestirn und vor Beginn der Morgendämmerung die prächtigen Sterne des Orion, gefolgt vom hellen Hundsstern Sirius. Am Ende der Nacht zieht sich der Reigen der Tierkreissternbilder vom Stier über Zwillinge und Krebs in einem hohen Bogen über uns, steil hinunter Richtung Osthorizont, wo wir im morgendlichen Dämmerschein den Löwen erahnen. Dort wandert gerade der flinke Planet Merkur, der sich aber nur mit Mühe gegen die Morgendämmerung durchsetzen kann. Er geht kurz vor 5 Uhr morgens im Osten auf und erreicht gegen 5.30 Uhr eine Höhe von rund 6 Grad. Dann haben wir etwa 20 Minuten eine Chance, ihn zu sehen!