New York/Heidelberg

Eine Arznei gegen viele Krebsarten

Neuer Wirkstoff lässt in einer Studie Tumore schrumpfen und beeindruckt Experten

New York/Heidelberg. Eine Studie weckt Hoffnungen auf ein neuartiges Medikament, das bei vielen verschiedenen Krebsarten helfen könnte. Eingesetzt wird der Wirkstoff bei Tumoren mit bestimmten genetischen Mutationen. In der Untersuchung sprachen drei Viertel der 55 Patienten auf die Therapie an, wie US-Mediziner im „New England Journal of Medicine“ („NEJM“) berichten.

Bislang hängt die Behandlungsstrategie von Tumoren meist von dem befallenen Organ ab. Krebsforscher wissen jedoch seit Jahren, dass viele Tumore unterschiedlicher Organe genetisch sehr ähnlich sind – und somit eventuell auf dieselbe Therapie ansprechen würden. Darauf zielt der nun geprüfte Wirkstoff Larotrectinib ab.

Er hemmt sogenannte TRK-Enzyme, die das Tumorwachstum ankurbeln. Bis zu einem Prozent aller festen Tumore hätten solche Mutationen, schätzt das Team um David Hyman vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York im „NEJM“. Die Studie sollte zunächst vor allem Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels an einem breiten Spektrum von Patienten prüfen. Die insgesamt 55 Teilnehmer waren zwischen vier Monaten und 76 Jahren alt und hatten Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Sie hatten insgesamt 17 verschiedene Krebsarten. Alle Patienten hatten Mutationen in Genen für TRK (Tropomyosin Rezeptor Kinasen) in ihren Tumoren.

Insgesamt sprachen 75 Prozent der Patienten auf die Tabletten an, die zweimal täglich genommen wurden. Bei sieben Patienten (13 Prozent) bildete sich der Tumor vollständig zurück, bei 34 weiteren (62 Prozent) schrumpfte er um mehr als die Hälfte. Bei sieben Patienten (13 Prozent) blieb der Tumor stabil. Ein Fortschreiten registrierten die Forscher bei fünf Patienten (neun Prozent). Bei zwei weiteren Teilnehmern (vier Prozent) war keine Einschätzung möglich. Nebenwirkungen wie etwa Anämie, Schwindel und Darmprobleme waren schwach ausgeprägt.

Stefan Fröhling vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg spricht von einer sehr vielversprechenden Behandlungsoption: „Die Studie zeigt sehr eindrucksvoll, dass der Wirkstoff bei einem sehr breiten Spektrum von Patienten unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Krebsarten das Tumorwachstum entscheidend hemmt.“ Dies gelte vermutlich für Dutzende Tumorarten, die diese Mutationen tragen.

Zudem sei die Einnahme einer Ta­blette sehr komfortabel, im Gegensatz zu Chemotherapien sei kein stationärer Aufenthalt in einer Klinik nötig. „Bei so beeindruckenden Ergebnissen dürfte eine beschleunigte Zulassung nach einer Phase-2-Studie möglich sein.“ Eine randomisierte Phase-3-Studie, bei der das Los darüber entscheidet, ob ein Patient diese oder eine herkömmliche Therapie bekommt, sei angesichts dieser Resultate ethisch vermutlich nur schwer vertretbar, vermutet Fröhling.