Mississauga

Wie Städte die Tiere verändern

Tierische Stadtbewohner unterscheiden sich genetisch von ihren Artgenossen

Mississauga. Das Leben in der Stadt macht etwas mit Wildtieren. Ob Tauben oder Füchse, Eidechsen oder Bettwanzen: Ein urbanes Umfeld beeinflusst ihre Evolution. Forscher aus Kanada und den USA haben zu dem Thema nun 192 Einzelstudien gesichtet und im Fachjournal „Science“ viele Beispiele herausgesucht.

Die Lebensräume der Tiere sind in der Stadt kleinteiliger, die Vielfalt einheimischer Arten geht zurück, invasive Arten nehmen zu, wie Marc Johnson von der University of Toronto Mississauga und sein Kollege Jason Munshi-South bilanzieren. Die schnelle Evolution könne so etwa auf bestimmte Varianten eines Gens zurückgehen, die sich innerhalb der kleineren, isolierten Gruppen durchsetzen. Es kann aber auch Mutationen im Erbgut eines Tieres geben, die ihm im Großstadtgetümmel besondere Vorteile verschaffen.

Letzteres ist beispielsweise beim Birkenspanner der Fall: Während der Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert setzte sich bei dem Falter eine Mutation im Erbgut durch, die seine Flügel dunkel färbte. So war er auf Baumrinden, die durch Fabrikrauch verschmutzt waren, besser getarnt. Den Forschern zufolge gibt es auch Hinweise darauf, dass etwa die Verschmutzung in Städten die Mutationsrate erhöht.

Die Kammanolis-Eidechsen in den Städten Puerto Ricos passen sich an das Leben auf künstlichen Oberflächen an, indem sie längere Gliedmaßen und mehr Zehenlamellen entwickeln als ihre Artgenossen auf dem Land. Und in den USA haben Hausgimpel in Städten ihre Schnabelform weiterentwickelt, um die größeren Sonnenblumenkerne, die sie dort von Menschen bekommen, besser knacken zu können. „Die Anpassungen entwickeln sich typischerweise als Antwort auf Pestizid-Gebrauch, Verschmutzung, lokales Klima oder die physische Struktur der Städte“, so Johnson. Flüsse, breite Straßen und massige Gebäude trennen die Lebensbereiche vieler Tiere in der Stadt ab.

So unterscheiden sich bei der Weißfußmaus in New York Maus-Gruppen, die nur einen Block voneinander entfernt leben, deutlich. Abhilfe könnten den Forschern zufolge Parks schaffen, die wie Korridore wirken. Weitere Forschungen zur Tier-Evolution in der Stadt könnten auch Menschen helfen, betonen die Autoren: Um beispielsweise mehr über die Entwicklung von Schädlingen wie Bettwanzen und Kakerlaken zu erfahren.