Lille

Herz-OP besser am Nachmittag als morgens?

Die innere Uhr beeinflusst das Resultat des Eingriffs, haben Forscher in einer Studie herausgefunden

Lille. Riskante Herzoperationen sollten einer Studie zufolge eher nachmittags erfolgen. Dann treten danach seltener schwere Komplikationen auf. Die Ärzte um David Montaigne von der Universität Lille führen das im Journal „The Lancet“ auf die innere Uhr zurück.

So deuten Studien darauf hin, dass Herzinfarkte am Morgen gravierender sind als am Nachmittag. Die französischen Mediziner prüften nun, ob die Tageszeit auch Einfluss auf Operationen am offenen Herzen hat – in diesem Fall auf den Austausch der Aortenklappe. Bei dem Eingriff wird die Durchblutung des Organs zeitweilig unterbrochen. Zunächst verglichen sie fast 600 Patienten miteinander: Die eine Hälfte wurde morgens operiert, die andere am Nachmittag. In den eineinhalb Jahren nach der Operation erlebten 54 morgens operierte Patienten (18,1 Prozent) ein größeres Problem wie etwa Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt. In der gleich großen anderen Gruppe waren es nur 28 (9,4 Prozent). Solche Probleme könnten bei jedem elften Patienten vermieden werden, wenn man den Eingriff nachmittags vornehme, so die Autoren.

Im zweiten Teil der Studie wurden 88 Patienten per Losverfahren morgens oder nachmittags operiert. In beiden Gruppen blieben die Teilnehmer danach im Mittel zwölf Tage im Krankenhaus. Jedoch wiesen Gewebeproben der am Nachmittag Operierten geringere Schäden auf. Zusätzlich analysierten die Forscher 30 Proben von Herzgewebe aus beiden Gruppen. Demnach erlangten die Proben der Nachmittagspatienten schneller wieder die Fähigkeit, sich zusammenzuziehen. Eine genetische Untersuchung ergab, dass bei diesen Patienten 287 Gene besonders aktiv waren, die an der inneren Uhr beteiligt sind. Daraus folgert das Team, dass die innere Uhr auch das Herz beeinflusst. Dies könne die bessere Genesung nach Operationen am Nachmittag erklären.

„Diese Studie ist sehr beeindruckend“, sagt Friedhelm Beyersdorf, Ärztlicher Direktor des Universitäts-Herzzentrums Freiburg, „das Team hat unglaublich sorgfältig gearbeitet.“ Die Resultate müssten nun in größeren Studien geprüft werden.