Planetarium

Der Sternenhimmel über Hamburg im August

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Thomas W. Kraupe, Direktor des Planetariums Hamburg

Foto: Katja Frauenkron/Planetarium Hamburg

Der Meteorschauer der Perseiden wird am Sternenhimmel über Hamburg in der zweiten Monatshälfte glühende Leuchtspuren hinterlassen.

Hamburg.  Endlich können wir wieder einen dunklen Nachthimmel genießen: Der helle Dämmerschein, der in Norddeutschland die ganze Nacht über sichtbar blieb, ist verschwunden. Tageslänge und Mittagshöhe der Sonne werden im August merklich geringer. Am 10. August verlässt die strahlend helle Sommersonne das Sternbild Krebs und wechselt ins Sternbild Löwe. Am 23. August tritt sie in das Tierkreiszeichen Jungfrau, bleibt aber noch bis zum 16. September im Tierkreissternbild Löwe.

Am Abend des 7. August taucht der südliche Teil des Vollmondes in den Erdschatten. Um 20.24 Uhr (MESZ) ist die maximale Verfinsterung erreicht. Knapp ein Viertel des Monddurchmessers wird dabei verfinstert. Leider geht der Mond aber bei uns erst eine halbe Stunde später auf, und bereits um 21.18 Uhr endet die Wanderung des Mondes durch den Kernschatten der Erde. Bei klarer Sicht zum Ostsüdosthorizont können wir noch erkennen, dass der südliche Teil des Vollmondes aussieht, als hätte jemand ein Stück „abgebissen“. Wer seinen Urlaub in Südosteuropa verbringt, der kann diese partielle Mondfinsternis am 7. August in voller Länge von 19.23 Uhr bis 21.18 Uhr erleben.

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Noch weiter reisen muss man jedoch, um zwei Wochen später die viel spektakulärere totale Sonnenfinsternis zu erleben. Diese totale Sonnenfinsternis am 21. August ist leider nur in den USA zu sehen, denn der Schattenkegel des Mondes rast quer von der West- zur Ostküste Nordamerikas.

Jupiter verschwindet bald von Himmelsbühne

Bereits zu Monatsbeginn deutet sich an, dass unser Mond eine dominierende Rolle spielen wird. Im Sternbild Waage leuchtet er in der Abenddämmerung über dem Südhorizont und beherrscht mit seinem Licht die erste Nachthälfte. Weiter „rechts“ im Südwesten fällt uns bereits gegen 22 Uhr, etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, ein heller Lichtpunkt auf. Es ist Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem. Jupiter verschwindet nun bald von der Himmelsbühne – zu Monatsbeginn geht Jupiter zwei Stunden nach der Sonne unter, am Monatsende nur etwas mehr als eine Stunde. Halbhoch am Himmel über Jupiter funkelt der rötliche Stern Arktur im Sternbild Bärenhüter, der wie Jupiter am Abend Richtung Westhorizont sinkt.

Etwas länger als Jupiter bleibt Saturn, sein „kleinerer Bruder“, an unserem Abendhimmel. Deutlich schwächer als Jupiter leuchtet er um 22 Uhr über dem Südhorizont im Grenzgebiet der Sternbilder Schlangenträger – Schütze. Saturn ist ja auch doppelt so weit von uns und der Sonne entfernt wie Jupiter.

Zweimal bekommt Saturn in diesem Monat Besuch vom Mond und ist dann besonders leicht zu finden. Am 2. August steht der Mond etwa fünf Grad rechts über dem Ringplaneten, und am 30. August zieht der Halbmond erneut an Saturn vorbei. Im Nordwesten leuchten die sieben Sterne des Großen Wagens – der hellste Teil des viel größeren Sternbildes Großer Bär.

Erste Vorboten des Herbst

Hoch über unseren Köpfen funkelt ein heller bläulich-weißer Stern. Es ist die Wega im Sternbild Leier, der hellste Stern im riesigen „Sommerdreieck“. Fast ebenso hoch wie Wega steht östlich („links“) von ihr der Stern Deneb im Schwan, während unterhalb der beiden der etwas schwächere Atair die Südspitze des Sommerdreiecks markiert. Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße. Nur unter besten Sichtbedingungen zeigt es sich in seiner vollen Pracht.

Die schönsten Sternwolken und das dahinter liegende Zentrum unserer Milchstraße finden wir unterhalb von Adler und Schlangenträger in der Nachbarschaft von Saturn im horizontnahen Sternbild Schütze. Die ersten Vorboten des Herbstes sind bereits abends nahe dem Nordosthorizont zu finden, darunter das „Herbstviereck“. Wie eine überdimensionale Vorfahrtstafel finden wir dieses „Herbstviereck“ schon zu Beginn der Nacht über dem Osthorizont. Bis in die Morgenstunden rückt es immer höher.

In den Stunden nach Mitternacht ist unser Blick zum Himmel zunehmend in die Flugrichtung der Erde um die Sonne gerichtet – wir haben die Frontsitze für eines der großartigsten Schauspiele, das uns die Natur bietet: den Meteorschauer der Perseiden! Wie Regentropfen, die hauptsächlich gegen die Frontscheibe eines fahrenden Autos prasseln, so prallen kosmische Staubpartikel nach Mitternacht vorzugsweise auf die Erdatmosphäre über uns und erzeugen Leuchtspuren.

Die Erde kreuzt bei ihrem Umlauf um die Sonne jedes Jahr am 11. August die Bahn des Kometen Swift-Tuttle, eines 26 Kilometer großen Brockens, der nur alle 133 Jahre selbst an der Erde vorbeifliegt. Er ist damit das größte Objekt im Sonnensystem, das regelmäßig nahe an unserer Erde herankommt. Mit unserer Erde „pflügen“ wir durch die von ihm zurückgelassene „Querstraße aus Staubteilchen“.

Venus erscheint als strahlender Morgenstern

Einige der in etwa 100 Kilometern Höhe über dem Erdboden verglühenden Partikel werden hell genug, um auch über der Großstadt sichtbar zu werden. Etwas Geduld ist nötig, aber in den Nächten vom 5. bis 15. August sollten Sie alle paar Minuten eine solche Sternschnuppe sehen können. Die Mehrheit der lichtschwächeren Meteore ist nur von einem dunklen Standort abseits der Lichtfülle der Großstadt sichtbar. Aber Dutzende Sternschnuppen sollten zu sehen sein. Verlängert man ihre glühenden Leuchtspuren zurück, so scheinen sie alle von einem Punkt im Nordosten, dem Radianten im Sternbild Perseus, an der Grenze zum Himmels-W auszustrahlen. Daher ist dieser alljährliche Meteorschauer auch als Perseiden bekannt.

Die Augustnächte enden mit dem Auftritt des Planeten Venus als strahlend heller Morgenstern. Gegen 3 Uhr morgens taucht sie über dem Osthorizont im Sternbild Zwillinge auf. Venus leuchtet aufgrund ihrer Nachbarschaft zur Sonne und zur Erde besonders hell, auch weil sie permanent von einer dichten, das Sonnenlicht reflektierenden Wolkenhülle umschlossen ist.

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