Berlin

Zuckerbomben zum Frühstück

Viele Fertigprodukte sind stark gesüßt, hat Stiftung Warentest festgestellt

Berlin. Frühstücksflocken, Joghurts, Grillsoßen oder Softdrinks strotzen vor Zucker: So lautet das Fazit einer Analyse von Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation hat in 60 Fertiglebensmitteln die Anteile an Zuckerzusätzen berechnet.

„Die Hersteller müssten nicht solche Zuckerbomben auf den Markt bringen. Fertiglebensmittel sind keine Süßigkeiten“, sagt Ernährungsexpertin und Test-Redakteurin Ina Bockholt. Ein drastisches Beispiel seien die Smacks von Kellogg’s. Die Frühstückscerealien enthielten 43 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Beim Verzehr einer realistischen Portion (60 Gramm) hätten Kinder bereits mehr Zucker zu sich genommen, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den gesamten Tag empfehle. Ebenfalls besonders süß: Barbecue-Soßen. „Nicht wenige bestehen zu einem Drittel aus Zucker.“ Wer etwa einen Esslöffel von Bull’s Eye BBQ auf seinem Hamburger verstreicht, nimmt den Angaben zufolge so viel Zucker wie mit drei Würfeln zu sich. „Enorm“ nennen die Warentester auch die Mengen an zugesetztem Zucker in den 15 untersuchten Softdrinks – 14 Würfel pro 0,5 Liter in klassischen Eistees von Nestea und Lipton, 15 in Fritz-Limo, 17 in Coca-Cola Classic.

Seit 2016 muss der Gesamtzuckergehalt von Fertigprodukten auf dem Etikett auftauchen. In der aufgedruckten Nährwerttabelle ist auch jener Zucker enthalten, der natürlich in den Zutaten vorkommt – etwa Frucht- oder Milchzucker. Die Angabe informiert über den Gehalt je 100 Gramm oder Portion. „Die Kennzeichnung ist eine Hilfe für den Verbraucher, er muss aber noch sehr viel tun, um daraus eine berechenbare Größe zu machen“, sagt Ina Bockholt.

Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche etwa 85 Gramm Haushaltszucker pro Tag. Die WHO nennt 25 ideal, 50 tolerabel. Mediziner sind sich einig, dass gesüßte Lebensmittel das Risiko für Übergewicht und daraus resultierende Krankheiten erhöhen. Laut Robert-Koch-Institut sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Um den Zuckerkonsum zu reduzieren empfahl die WHO im Herbst eine Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks zu erheben. Die Verbraucherzentralen plädieren seit Langem für eine Ampelkennzeichnung: Farben sollen auf niedrigen, mittleren und hohen Gehalt an Zucker, Fett und Salz hinweisen. Die Bundesregierung setzt bisher auf eine „Reduktionsstrategie Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten“ – so soll der Zuckergehalt bis 2020 um zehn Prozent sinken.