Planetarium Hamburg

Sternenhimmel im Oktober: Herbstparade der fernen Planeten

Der Sternenhimmel über Hamburg im Oktober

Der Sternenhimmel über Hamburg im Oktober

Foto: Katja Frauenkorn

Am Nachthimmel über Hamburg sind viele dieser etliche Millionen Kilometer entfernten Himmelskörper mit dem Fernglas zu sehen.

Hamburg.  Die Nacht bricht nun immer früher an, und dazu trägt zum Monatsende auch das Ende der Sommerzeit bei. Die Stunde, die wir Ende März übersprungen haben, bekommen wir am 30. Oktober wieder zurück, und unsere Uhren richten sich danach wieder nach dem 15. östlichen Längengrad der mitteleuropäischen Zeitzone.

Der zunehmende Mond taucht zunächst nur zögerlich am Abendhimmel auf. Dennoch hilft er uns beim Auffinden der Planeten. In der Abenddämmerung des 3. Oktober prangt der junge Sichelmond etwa viereinhalb Grad nördlich des Planeten Venus. Die helle Venus schafft es nur mit Mühe, sich als heller „Abendstern“ zu behaupten – sie ist nur kurze Zeit in der Abenddämmerung tief im Südwesten zu sehen und geht bereits weniger als eine Stunde nach der Sonne unter. Ein Stück links von Venus gelingt es erfahrenen Beobachtern vielleicht noch, den Planeten Saturn in der Abenddämmerung zu finden. Vom 5. bis zum 6. Oktober zieht der zunehmende Mond an ihm vorbei, bevor Saturn für die kommenden Monate im Glanz rund um die Sonne verschwindet. Die nächste Station des Mondes ist Mars. Am 8. Oktober wandert der Halbmond im Sternbild Schütze an dem Roten Planeten vorbei. Mars hält sich noch tapfer für ein bis zwei Stunden am Abendhimmel, bevor auch er kurz nach 22 Uhr Sommerzeit unter den Südwesthorizont sinkt.

Fast senkrecht über uns steht die Zickzacklinie des Himmels-W, das von den hellsten Sternen der Kassiopeia gebildet wird. Die mittlere Spitze des „W“ deutet in etwa auf den Polarstern, den Nordstern. Darunter, tief am Nordhorizont, finden wir jetzt die sieben Sterne des Großen Wagens. Auch am Sternenhimmel ist der Herbst eine Zeit des Übergangs: Die hellen Sterne rund um die sommerliche Milchstraße stehen nur noch zu Beginn der Nacht hoch am Himmel und haben sich spätabends bereits nach Südwesten verlagert, während sich im Osten die ersten hellen Sterne des Winters ankündigen.

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Das auffällige Sommerdreieck mit den Sternen Wega (im Sternbild Leier), Deneb (im Schwan) und Atair (im Adler) ist bereits nach Südwesten gerückt. Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße hoch über unseren Kopf hinauf zum Himmels-W und weiter zum Osthorizont. Dort funkelt der helle Stern Capella im Fuhrmanns, ein typisches Wintersternbild. Etwas tiefer der rötliche Hauptstern Aldebaran im Stier. Schon mit bloßem Auge erkennen wir auch rund um Aldebaran den v-förmigen Sternhaufen der Hyade­n und die dichtere Sternengruppe der Plejaden – das Siebengestirn.

Es sind prächtige Sterne und Sternhaufen, die jetzt spätabends im Osten wie auch im Westen längs der Milchstraße am Himmel funkeln. Dazwischen, im Süden, weitab der Milchstraße, wird uns jedoch eine recht unscheinbare Sternregion angeboten. Nur ganz tief im Süden funkelt im Horizontdunst der Stern Fomalhaut, hellster Stern im Sternbild Südlicher Fisch. Ringsherum tummeln sich weitere Geschöpfe aus dem wässrigen Element, die südliche Himmelsregion wird jetzt von einer Art „himmlischen Aquariums“ ausgefüllt. Links neben Atair, über dem Steinbock, die auffällige, jedoch kleine Sternfigur des Delfins und weiter östlich am Horizont die beiden ausgedehnten, aber aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann und Fische sowie südlich davon der Walfisch. Und aus den Fluten dieses Sternenmeeres springt auch noch das geflügelte Pferd Pegasus himmelwärts. Die drei hellsten Sterne dieses Sternbilds gehören zum Herbstviereck, einem auffälligen Muster am Herbsthimmel. Spätabends ist es halbhoch im Süden platziert und driftet im Laufe der Nacht nach Westen. Der vierte, nordöstlichste Stern im Herbstviereck, ist Alpha im Sternbild Andromeda.

Dieses Herbstviereck hilft uns auch, das Tierkreissternbild Fische zu finden, das sich unterhalb erstreckt. Dort wird eine wahre Parade ferner Planeten geboten, die aber meist nur mit Fernglas oder Fernrohr zu sehen sind: In den Fischen gelangt Uranus zu seiner Bestform des Jahres: Er steht die ganze Nacht am Himmel, am 15. Oktober genau gegenüber der Sonne, während wir ihn mit unserer schnelleren Erde überholen. Da Uranus jetzt über 2800 Millionen Kilometer von uns entfernt ist, erscheint er uns nur als schwaches Sternchen. Mit Fernglas und genauer Aufsuchkarte kann man ihn östlich des Sterns Zeta in den Fischen entdecken.

Neptun im Sternbild Wassermann gelangte bereits im September in Opposition zur Sonne und ist ein noch lichtschwächeres „Pünktchen“. Er zieht über vier Milliarden Kilometer entfernt seine Bahn und ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. Er gilt als der fernste Planet unseres Sonnensystems. Der winzige Pluto komplettiert die herbstliche Parade der fernen Welten. Er ist jedoch nur mit großen Fernrohren zu sehen: Aber zumindest die Blickrichtung zu Pluto können wir abends leicht finden, denn der steht nur wenig nördlich von Mars im Sternbild Schütze.

Bei Beginn der Morgendämmerung lohnt es sich, Ausschau nach Osten zu halten.

Ab zwei Uhr morgens wird der Himmelsanblick spektakulärer: Das prächtige Wintersternbild Orion mit seinen markanten drei Gürtelsternen ist im Südosten vollständig aufgetaucht, gefolgt von Prokyon, dem Hauptstern im Kleinen Hund, der über der Ostrichtung funkelt. Er kündigt das Erscheinen des Großen Hundsterns Sirius an, der ab drei Uhr morgens in der Verlängerung der drei Gürtelsterne auftaucht. Bei Beginn der Morgendämmerung lohnt es sich, Ausschau nach Osten zu halten. Zu Monatsbeginn zeigt sich dort noch der sonnennahe Planet Merkur, der vom Riesenplaneten Jupiter abgelöst wird. Am Monatsende leuchtet Jupiter bereits wieder auffällig hell in der Morgendämmerung im Osten. Er bewegt sich im Sternbild Jungfrau, dessen Sterne sich noch nicht gegen die Morgendämmerung durchsetzen können.