Berlin

Risiko durch Baby-Fertignahrung

EFSA legt neuen Höchstwert für einen Stoff fest, der als krebserregend gilt

Berlin.  Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bei Babys, die mit industriell hergestellter Säuglingsmilchnahrung ernährt werden. Grund ist vor allem der Stoff 3-Monochlorpropandiol, der als krebserregend gilt.

Die Behörden haben basierend auf Tierversuchsdaten einen neuen sogenannten TDI-Wert (Tolerable Daily Intake) errechnet, also eine Menge, die theoretisch täglich ohne Risiko aufgenommen werden kann. Der Wert liegt bei 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Nach Berechnungen der EFSA überschreiten Kinder in der EU diesen Wert deutlich. Dafür werteten die Wissenschaftler über 7000 zwischen 2009 und 2015 erhobene Analysedaten aus 23 europäischen Mitgliedsstaaten aus.

3-Monochlorpropandiol entsteht bei der Verdauung von 3-MCPD-Fettsäureestern. Diese wiederum entstehen unter anderem bei der Raffination von pflanzlichen Fetten und Ölen wie zum Beispiel Sonnenblumenöl. Die Öle werden auf diese Weise für die Verwendung in Lebensmitteln aufbereitet, der Prozess ist dafür unverzichtbar. Vermeiden lässt sich die Entstehung von 3-MCPD-Fettsäureestern dabei bislang nicht – nur minimieren. Sämtliche Lebensmittel, die auf Basis von raffinierten pflanzlichen Ölen oder Fetten hergestellt werden, können deshalb belastet sein, so das BfR. Das betrifft etwa Margarine, Backwaren, Nussnougatcremes oder auch Säuglingsnahrung, bei der raffinierte Speisefette meist die Fettbasis bilden. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die ausschließlich mit Fertignahrung gefüttert werden, ist die Exposition entsprechend hoch, wie das BfR erklärt. Denn sie nehmen in Relation zu ihrem Körpergewicht sehr viel von dem Stoff auf.

Im Schnitt lag die Menge bei 2,4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. „Diese mehr als dreifache Überschreitung des TDI-Wertes wird von der EFSA als gesundheitlich bedenklich angesehen“, so das BfR.

Auch Stiftung Warentest fand bei einer Untersuchung von Babynahrung (7/2016) kürzlich bedenkliche Mengen von 3-MCPD-Estern in der Babydream Anfangsmilch von Rossmann. Dass solche Mengen nicht sein müssen, zeigte das übrige Ergebnis: Acht der getesteten Produkte schnitten gut ab.