Technikneuheiten

Virtuelle Welten und smarte Hausgeräte: Das sind die Trends

Ein Messebesucher hat eine Virtual-Reality-Brille aufgesetzt. Sie erzeugt den Eindruck, als stünde man mitten in einer virtuellen Welt

Ein Messebesucher hat eine Virtual-Reality-Brille aufgesetzt. Sie erzeugt den Eindruck, als stünde man mitten in einer virtuellen Welt

Foto: Paul Buck / dpa

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentiert noch bis morgen zahlreiche Technik-Neuheiten. Die Trends für 2016.

Berlin.  Noch bis zum morgigen Samstag werden in Las Vegas auf der Consumer Electronics Show (CES) die Technikneuheiten des Jahres vorgestellt. Gemeinsam mit der Internationalen Funkausstellung in Berlin gehört die CES zu den wichtigsten Unterhaltunselektronikmessen der Welt. Technische Meilensteine wie der CD-Player, der Camcorder oder die DVD wurden hier erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Welche Geräte in diesem Jahr Aufsehen erregt haben und welche Trends sich abzeichnen, ist im Folgenden zusammengefasst.

Virtual Reality wird Wirklichkeit

In diesem Jahr können Endverbraucher erstmals – halbwegs bezahlbar – in virtuelle Welten abtauchen: Gleich drei Hersteller kündigten sogenannte VR-Brillen für 2016 an: Der zu Facebook gehörende Hersteller Oculus, HTC und Sony. Aber worum geht es bei dieser „Virtual Reality”? Ziel der Gerätschaften ist es, Nutzer komplett in die künstlichen Welten eintauchen zu lassen, der Fachbegriff dafür lautet Immersion: Bisher sehen Spieler die künstlichen Welten wie durch ein kleines Fenster, ihren Monitor. Außerdem bietet das Bild meist keinen räumlichen Eindruck. VR-Brillen sind im Wesentlichen nichts anderes als zwei Bildschirme, die ganz dicht vor die Augen des Spielers gebracht werden. Dadurch sieht der Nutzer ausschließlich die virtuelle Welt. Die beiden Bildschirme zeigen jeweils ein leicht versetztes Bild, sodass die Spielumgebung räumlich wirkt. Sensoren, die die Kopfbewegung messen, machen die Illusion schließlich perfekt: Dreht der Spieler seinen Kopf, verändert sich auch das angezeigte Bild, es entsteht der Eindruck, man befände sich tatsächlich mitten im Spiel.

Konzepte für solche Brillen gibt es schon seit Jahren, doch bisher waren die notwendigen Technologien zu teuer und schlicht nicht weit genug entwickelt: Weder konnten ausreichend fein auflösende Displays hergestellt werden, noch war die Computerhardware potent genug, um die Grafik schnell genug bereitzustellen. Mittlerweile sind die technischen Probleme gelöst, die Oculus Rift und HTC Vive zeigen jeweils 1080 mal 1200 Bildpunkte pro Auge, die Sony VR löst ein klein wenig schlechter auf – alle drei erlauben aber ein überzeugendes Bild, Pixel erkennt man kaum noch. Während man für Rift und Vive einen teuren Spiele-PC benötigt, genügt für die Sony VR eine deutlich preiswertere Playstation 4.

Technisch ist HTCs Vive derzeit am Weitesten fortgeschritten. Während die Konkurrenzmodelle lediglich Kopfbewegungen erlauben, können Nutzer mit der HTV Vive auf dem Kopf innerhalb eines bis zu 25 Quadratmeter großen, digital abgesteckten Bereichs tatsächlich herumlaufen. Die Bewegung wird entsprechend in die virtuelle Welt übertragen. Damit man diesen nicht versehentlich verlässt und mit einer Wand oder einem Möbelstück kollidiert, hat HTC das gerade präsentierte Modell Vive Pre mit einer Kamera versehen. Sie blendet die echte Umgebung in Umrissen ein, sobald man den „Spielbereich” verlässt. Übrigens lassen sich die Geräte nicht nur für Spiele einsetzen. Audi etwa will Vive und Rift noch in diesem Jahr für einen virtuellen Showroom nutzen, in dem Neuwagen mit jedem denkbaren Extra erfahrbar gemacht werden können.

Konkrete Informationen zu Preis und Verfügbarkeit gibt es bislang nur von der Oculus Rift. Sie kann ab sofort für 699 Euro vorbestellt werden, laut Hersteller entspricht das den reinen Herstellungskosten. Die Auslieferung der ersten Geräte erfolgt dann am 28. März. Die HTC Vive soll im April, die Sony VR im Sommer ausgeliefert werden, die Preise sind aber derzeit noch unbekannt, zumindest die technisch aufwendigere Vive dürfte aber noch etwas teurer als Oculus’ Rift werden.

UHD Blu-ray und dünne Fernseher

Bereits seit über einem Jahr kann man Fernseher mit ultrascharfer UHD-Auflösung und Bildverbesserungsfunktionen wie HDR oder erweitertem Farbraum kaufen – sehen konnte man von dem besseren Bild bislang aber nichts, denn es gab quasi keine angepassten Inhalte. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Samsung und Panasonic haben auf der CES für 2016 eigene UHD-Blu-ray-Player angekündigt, das Samsung-Gerät kann bereits vorbestellt werden. Auch entsprechende Inhalte kommen in diesem Jahr: Das Filmstudio 20th Century Fox etwa kündigte an, bis zum Jahresende rund 100 UHD-Blu-ray-Discs auf den Markt zu bringen. Außerdem gibt es ein neues Logo – Ultra HD Premium –, das für Geräte und Inhalte höchste Bild- und Tonqualität verspricht. Höchste Auflösung, HDR, erweiterter Farbumfang sowie 3D-Audioformate wie Dolby Atmos sind dafür Bedingung.

Natürlich waren auf der CES auch Fernseher vertreten: Hersteller LG stach dank platzsparender OLED-Technik mit zwei Fernsehern hervor, deren Bildschirm nur 2,5 Millimeter dick ist. Das papierdünne, aufrollbare Display von LG war leider noch Prototyp und wurde nur hinter Glas gezeigt.

Smarte Uhren und ein smartes Zuhause

Ungebrochen ist auch in diesem Jahr die Flut an neuen Fitnessbändern und vermeintlich schlauen Uhren, also den sogenannten Wearables. Dem Branchenriesen Fitbit geriet die Vorstellung der ersten eigenen Smartwatch Blaze aber zum Desaster: Anleger hatten sich von dem Apple-Watch-Konkurrenten offenbar mehr erwartet, nach der Präsentation brach der Börsenkurs des Unternehmens um ein Fünftel ein. Auch andere Hersteller präsentieren fleißig Varianten neuer Uhren und Fitnessbänder, Bahnbrechendes war aber nicht dabei. Ebenfalls nach wie vor ein Megatrend ist Smart Home. Immer mehr Hersteller versehen Alltagsgerätschaften mit Prozessoren und Netzwerkzugang. Vom Geschirrspüler, der sich die Tabs beim Onlinehändler Amazon selbst nachbestellt, bis hin zum per Smartphone gesteuerten Deckenventilator werden auf der CES alle denkbaren Gerätschaften mit dem Attribut „smart“ aufgewertet.

Musikliebhaber mit großer Plattensammlung dürften sich besonders über den neuen Plattenspieler von Sony freuen: Er spielt die Vinyls nicht nur ab, sondern digitalisiert sie auch – hochauflösend in 24 Bit. Ab Mai ist das Gerät für etwa 500 Euro zu haben.

Flache Computer, neue Drohnen

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr Notebooks zu sehen: Die sind diesmal besonders schick und flach, Samsung zeigte etwa einen 13-Zöller, der gerade einmal 840 Gramm wiegt, und auch HPs EliteBook Folio ist so hochwertig, dünn und leicht, wie es vor Kurzem noch Apple-Produkten vorbehalten schien. Zu guter Letzt sind auch Drohnen ein großes Thema der Messe. Erste Modelle sind nun in der Lage, in Echtzeit automatisch Hindernissen auszuweichen. Diese Fähigkeit gilt übrigens auch als wichtiger Schritt für den autonomen Einsatz von Drohnen zum Transport.