Krankenkassen

Elektronische Gesundheitskarte sorgt wieder für Chaos

Müssen alle Lesegeräte in Deutschlands Arztpraxen ausgetauscht werden? Neue Sicherheitsmängel bei elektronischer Gesundheitskarte.

Hannover/Hamburg. Es liegt ein Fluch auf der elektronischen Gesundheitskarte, die inzwischen rund 65 Millionen gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland haben dürften. Sie kam mit etlichen Jahren Verspätung, kostet deutlich mehr als geplant und kann weniger als versprochen. Doch der Gang der Ärzte und Krankenkassen in eine digitale Ära wird mit der Chipkarte vorangetrieben, die derzeit nur Namen, Anschrift, Versichertenstatus und ansonsten wenig speichern kann. Allerdings soll die elektronische Gesundheitskarte in Zukunft der Schlüssel zu digitalen Patientenakten werden. Dadurch erhöht sich die Sicherheit der Behandlung, beschleunigt sich der Datenaustausch zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern und wird das Management der eigenen Erkrankungen für jeden Patienten besser.

So ist die Theorie. In der Praxis jedoch zeigt sich erneut ein millionenteures Desaster mit der elektronischen Gesundheitskarte. Nach einem Bericht des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem 30 Tageszeitungen angehören, rechnet die Industrie damit, "dass im Zuge der neuen Gesundheitskarte ab Mitte kommenden Jahres sämtliche Kartenlesegeräte ausgetauscht werden müssen", heißt es in einer Meldung. Der Austausch bei den rund 200.000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten koste fast 100 Millionen Euro. Quelle für die Information seien Kreise der Bundesregierung.

Angeblich habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Bedenken. So habe sich herausgestellt, dass die Kartenlesegeräte nicht ausreichend vor dem Zugriff Unbefugter geschützt sind. Das Gehäuse mit der Plastikhülle sei nicht in der Lage, Daten abzuschirmen und Hacker davon abzuhalten, in die Krankenakten von Patienten Einsicht zu nehmen.

Außerdem gebe es ernsthafte Probleme bei den Konnektoren, den Verbindungsstücken zur digitalen Infrastruktur. Verantwortlich seien die Deutsche Telekom und die Compu Group.

Die elektronische Gesundheitskarte wird derzeit einem weiteren Feldtest unterzogen. Von einem Austausch der Karten oder der Lesegeräte war bislang nicht die Rede. Allerdings hatte das Hamburger Abendblatt berichtet, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einem unter Verschluss gehaltenen Gutachten auf schwerwiegende Verstöße gegen den Datenschutz hinweist. Demnach dürfe die elektronische Gesundheitskarte gar nicht genutzt werden.