Manaus

Klima-Messturm höher als Eiffelturm

Anlage im amazonischen Regenwald soll unter anderem den Transport von Luftmassen erfassen

Manaus.  Klaus Kinski versucht im Film „Fitzcarraldo“ ein Opernhaus in der grünen Hölle des Amazonas zu bauen. Er scheitert. Auch an den Launen der Natur. Um diese besser zu ergründen, um zu verstehen, welche Bedeutung der Regenwald wirklich für das Weltklima hat, ist mit deutscher Hilfe ein besonderes Amazonas-Projekt entstanden: der höchste Klima-Messturm der Welt, höher als der Eiffelturm (301 m).

325 Meter hoch reckt sich der rot-weiß-rote Stahlturm gen Himmel und sticht weit über den Wipfeln aus der grünen Amazonaslandschaft als einsamer Monolith hervor. Am Sonnabend ist der 150 Kilometer nordöstlich von Manaus tief im Regenwald gelegene ATTO-Turm (Amazonian Tall Tower Observatory) übergeben worden. Sensoren sollen quasi im Sekundentakt Daten sammeln über Treibhausgase, Wolkeneigenschaften und den Transport von Luftmassen in dem weltweit größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet. Es ist ein Gradmesser für das Weltklima. Zudem gilt es herauszufinden, welchen Einfluss der Regenwald auf das globale Klimageschehen hat. Noch fehlt ein Teil der Technik. Aber spätestens ab 2016 soll er voll funktionsfähig sein.

Mit deutscher Hilfe ist der Turm errichtet worden – die brasilianische und die deutsche Seite zahlen jeweils 8,4 Millionen Euro für den Bau und die ersten fünf Betriebsjahre. Es ist ein Projekt der Max-Planck-Institute für Chemie (Mainz) und für Biogeochemie (Jena), des brasilianischen Bundesinstituts für Amazonasforschung (INPA) und der Universität des Staates Amazonas. „ATTO hilft, Klimaveränderungen besser zu verstehen und die grünen Lungen unseres Planeten zu schützen“, betont Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU).

Der Turm soll rund 30 Jahre im Einsatz sein. Durch die Höhe sollen – fernab von menschlichen Einflüssen durch Städte – Messungen in höheren Luftschichten als üblich durchgeführt werden. Etwa zu Veränderungen, die die Regenwaldgebiete in herüberziehenden Luftmassen auslösen, sowie zur Ablagerung, Bewegung und Auswirkung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan.

Alle Daten fließen in Modelle zur Vorhersage der Klimaentwicklung ein. Zudem wollen die Forscher wissen, welche Rolle der Regenwald bei der Wolkenbildung spielt. Projektkoordinator Jürgen Kesselmeier rechnet mit einer ganzen „Palette an Geheimnissen“, die mit ATTO gelüftet werden könnten.