Neurologie

Den Schlaganfall besser überstehen

Forscher wollen untersuchen, ob bestimmte Medikamente schwere Komplikationen verhindern können

Hamburg.  Wenn ein Blutgefäß im Gehirn verstopft, kann das für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben. Pro Jahr ereignen sich in Deutschland nach Angaben der Deutschen Schlaganfallhilfe knapp 270.000 Schlaganfälle. Rund 20 Prozent der Patienten sterben innerhalb von vier Wochen an dieser Erkrankung, 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Jetzt soll in einem groß angelegten europäischen Forschungsprojekt untersucht werden, ob sich durch eine einfache medikamentöse Therapie das Risiko von schwerwiegenden Komplikationen und die Zahl der Todesfälle reduzieren lassen. An dem Forschungsprojekt, das von der Europäischen Union mit sechs Millionen Euro gefördert wird, sind neben Deutschland weitere zehn Länder beteiligt. In 80 Zentren sollen insgesamt 3800 Patienten untersucht werden. Für die Leitung der Studie in Deutschland ist das Universitätsklinikum Eppendorf verantwortlich.

Hintergrund dieser Studie ist, dass insbesondere bei älteren Patienten nach Schlaganfällen ein hohes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Infektionen oder Fieber besteht. Sie erleiden häufiger Komplikationen, die zu einer erhöhten Sterblichkeit sowie einem erhöhten Risiko führen, ein Pflegefall zu werden. Zur Vorbeugung werden jetzt Antibiotika, Medikamente zur Fiebersenkung und zur Anregung der Darmperistaltik eingesetzt.

„Im Vordergrund stehen zum Beispiel Lungenentzündungen. Patienten mit einem Schlaganfall haben ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen, weil sie häufig Schluckstörungen haben und weil ihr Immunsystem durch den Schlagfall beeinträchtigt ist und weil sie bettlägerig sind“, sagt Privatdozent Dr. Götz Thomalla, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Schlaganfallforschung der Klinik für Neurologie im UKE. Bis zu 30 Prozent aller Schlaganfallpatienten leiden in den ersten Tagen unter Infektionen. Die vorbeugende Gabe von Antibiotika soll das verhindern. Fiebersenkende Mittel werden eingesetzt, weil, so Thomalla, erhöhte Temperatur und Fieber unabhängig von Infektionen auftreten können: „Das Fieber stört die Erholung nach einem Schlaganfall.“ Das Medikament zur Anregung der Darmperistaltik wird zur Behandlung der Schluckstörungen eingesetzt. Es soll verhindern, dass Mageninhalt beim Atmen in die Lunge gerät.

Diese weit verbreiteten Medikamente erhalten ältere Risikopatienten ab dem ersten Tag nach dem Schlaganfall und sie werden vier Tage damit behandelt. „Die Studie soll zeigen, dass auch mit der vorbeugenden Gabe dieser Medikamente die Komplikationsrate gesenkt werden kann und dass die Patienten mit weniger Einschränkungen einen schweren Schlaganfall überleben“, sagt Thomalla.

Diese Therapie wird in der Studie bei Patienten im Alter von über 66 Jahren mit einer Standardbehandlung verglichen. „Mit diesem Ansatz können wir sehr wahrscheinlich die Schlaganfallbehandlung für eine der am schwersten betroffenen Gruppen von Patienten entscheidend verbessern“, sagt Thomalla.