Schöningen

Pferdeknochen vor 300.000 Jahren als Werkzeug benutzt

Archäologischer Fund im niedersächsischen Braunkohlegebiet

Schöningen. Erst die berühmten Schöninger Speere, dann Knochen der Säbelzahnkatze und Eierschalen aus der Altsteinzeit: Der Braunkohle-Tagebau in der Nähe des Erlebniszentrums Paläon ist eine Fundgrube für Archäologen. Jetzt gibt es eine neue Entdeckung. In der Grabungsstätte Schöningen sind 300.000 Jahre alte Werkzeuge aus Pferdeknochen entdeckt worden.

Der neueste Fund sei ein weiterer Beweis für die lange unterschätzten geistig-technischen Fähigkeiten des frühen Menschen, teilten das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die Uni Tübingen und das Erlebniszentrum Paläon mit. Die Jäger der Altsteinzeit setzten die Langknochen von erlegten Pferden wahrscheinlich als Hammer ein. An den Funden sind deutliche Schlagspuren zu sehen. Darüber hinaus konnten englische Wissenschaftler mit einem Rasterelektronenmikroskop feine Steinsplitter in einzelnen Knochen nachweisen.

Die Identifizierung der Knochenwerkzeuge gelang dem niederländischen Archäozoologen Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden. Er werde die Entdeckung gemeinsam mit Kollegen im Fachblatt „Journal of Human Evolution“ vorstellen, hieß es. Bisher sei die regelhafte Nutzung von Knochenwerkzeugen erst für die Zeit des modernen Menschen vor etwa 40.000 Jahren angenommen worden.

Mitte der 90er-Jahre wurden in dem Braunkohle-Tagebau im Landkreis Helmstedt 300.000 Jahre alte Wurfspeere gefunden. Die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen der Menschheit waren eine archäologische Sensation. Inmitten eines Jagdlagerplatzes gab es mehr als 10.000 Knochen von Wildpferden sowie sieben Speere, weitere Speerbruchstücke, eine Lanze und ein Wurfholz. Niemals zuvor wurden so alte und vollständig erhaltene Jagdwaffen aus Holz gefunden. Etwa 300.000 Jahre blieben die Fundstücke dank ungewöhnlich günstiger geologischer Verhältnisse erhalten.

Das Erlebniszentrum Paläon wurde vor zwei Jahren 150 Meter Luftlinie entfernt vom Fundort eröffnet. Dort werden auch Führungen zur Grabungsstätte angeboten. „Hier kann man Archäologie live erleben“, sagte Thomas Neubert vom Paläon. Zu den Funden zählen uralte Eierschalen sowie Säbelzahnkatzenknochen.

Der 15 Millionen Euro teure Bau – finanziert vom Land Niedersachsen und aus dem Konjunkturpaket II – war zunächst wegen der Kosten kritisiert worden. Die Besucherzahlen übertreffen aber die Erwartungen. Im ersten Jahr kamen 80.000, im zweiten Jahr 60.000 zahlende Besucher.

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