Stony Brook

Sägefische brauchen keine Männer

Überraschung: Rochenart kann sich durch Jungfernzeugung fortpflanzen, ergaben Erbgutanalysen

Stony Brook. Weibchen einer großen Rochenart können sich ohne Paarung fortpflanzen. Das hätten Erbgutanalysen der Tiere in einem Mündungsgebiet in Florida gezeigt, berichten US-Forscher im Fachmagazin „Current Biology“. Es sei das erste Mal, dass bei wildlebenden Wirbeltieren per Jungfernzeugung entstandener Nachwuchs bei einer Art gefunden wurde, die sich eigentlich sexuell vermehrt.

Sägerochen der Art Pristis pectinata sind vom Aussterben bedroht. Die Forscher von der Stony Brook University hatten untersuchen wollen, wie sehr sich in der ausgedünnten Population inzwischen eng verwandte Tiere paaren. Dabei stießen sie auf ein überraschendes Ergebnis: Gut drei Prozent der 190 untersuchten Sägefische waren durch Jungfernzeugung entstanden. Bei dieser sogenannten Parthenogenese wachsen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen heran, ein männlicher Geschlechtspartner wird nicht benötigt.

Hinweise darauf, dass sich auch höher entwickelte Lebewesen durch Jungfernzeugung vermehren können, waren zunächst von Vögeln, Reptilien und Haien in Gefangenschaft gekommen: Einzeln gehaltene Weibchen hatten plötzlich Nachwuchs bekommen. Im Leipziger Zoo zum Beispiel war 2012 ein Kalifornischer Schwellhai geschlüpft, dessen Mutter in den zehn Jahren zuvor allein gelebt hatte. Im Karlsruher Naturkundemuseum hatte das Bambushai-Weibchen „Mariechen“ mehrfach Eier, ohne seine kleine Wasserwelt mit einem männlichen Hai zu teilen.

Vielfach war eine Parthenogenese bei Wirbeltieren allerdings mit schweren Schäden beim Nachwuchs verbunden. Die gängige Annahme sei daher, dass es sich um eine Kuriosität der Natur handle, aus der kaum lebensfähige Nachkommen hervorgehen. Die sieben nun entdeckten vaterlosen Säge­rochen-Weibchen erfreuten sich jedoch bester Gesundheit.

Wie häufig solche Jungfernzeugungen auch bei anderen Wirbeltierarten in freier Wildbahn vorkommen, ist unklar. „Gelegentliche Parthenogenese könnte in Wildtierpopulationen weit stärker Routine sein als wir je gedacht hätten“, heißt es. Möglicherweise werde dieser Reproduktionsweg vor allem in sehr kleinen oder schwindenden Beständen genutzt. Schätzungen zufolge ist die Population von P. pectinata inzwischen auf ein bis fünf Prozent der Bestandszahlen von 1900 geschrumpft. Mit dem Ausweichen auf Parthenogenese könne die Art ihr Aussterben vielleicht etwas hinauszögern.