Raumfahrt

Wie geht es weiter mit der russischen Raumfahrt?

Der erste Mensch im All begann hier 1961 seine Reise. Seither sind Hunderte Raketen vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zu den Sternen gestartet. Nun wird das größte Kosmodrom der Welt 60 Jahre alt. Wie lange erhält Russland den Betrieb noch aufrecht?

Baikonur.  Der Bau in der kasachischen Steppe war ein Staatsgeheimnis, die Erfolge sind legendär: Baikonur, das größte Kosmodrom der Welt. Voller Stolz begeht der russische Weltraumbahnhof, auf dem der erste Mensch im All seine historische Reise begann, an diesem Dienstag seinen 60. Jahrestag. Triumph und Trauer liegen aber diesmal eng beieinander – denn inmitten einer schweren Krise der russischen Raumfahrt ist es alles andere als ein unbeschwertes Jubiläum.

Gleich zwei Fehlstarts innerhalb weniger Tage haben das Selbstvertrauen der stolzen Raumfahrtnation erschüttert. Erst verglühte ein außer Kontrolle geratener Frachter mit Nachschub für die Internationale Raumstation ISS. Dann stürzte eine defekte Trägerrakete mit einem Satelliten in die sibirische Wildnis. Seitdem herrscht Startverbot in Baikonur.

Alles war streng geheim, als die Sowjetführung in Moskau 1955 den Bau des Forschungs- und Testgeländes Nr. 5 in Kasachstan beschloss. Baikonur (etwa: Reiches Tal), rund 2500 Kilometer südöstlich von Moskau, schien ideal: Die Steppe liegt abseits von Wohngebieten und weist kaum Niederschlag auf. „Der Bau war eine Heldentat für ein Volk, das gerade einen Weltkrieg überstanden hatte“, betonte Kremlchef Wladimir Putin einmal. Den ersten Erfolg feierte der Kreml 1957 mit dem Start einer Interkontinentalrakete. Zwei Monate später schoss die Sowjetunion den ersten Satelliten Sputnik-1 in den Orbit, und am 12. April 1961 flog Weltraumpionier Juri Gagarin von Baikonur aus zu den Sternen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeitserklärung von Kasachstan 1991 war das Schicksal des Areals, das für die Russen plötzlich im Ausland lag, lange ungeklärt. Für seine Starts hat Russland das Gelände bis 2050 gemietet. Um unabhängig zu sein, baut Moskau unweit der Pazifikküste ein eigenes Kosmodrom. Das Schicksal von Baikonur ist ungewiss.