Grippewelle erreicht Hamburg: Zehnmal mehr Fälle als 2014

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Selbst harmlose Erkältungen dauern länger als sonst. Bundesweit 1,5 Millionen Atemwegserkrankte in einer Woche

Hamburg. Husten, Fieber, Kopfschmerzen – die Grippewelle 2015 hat Hamburg erreicht und fällt deutlich heftiger aus als vor einem Jahr. Dem Institut für Hygiene und Umwelt wurden bis zum Ende der siebten Kalenderwoche 297 Influenza-Infektionen gemeldet. Das waren fast zehnmal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wesentlich häufiger sind Erkältungen, auch grippale Infekte genannt. Sie weisen ähnliche Symptome auf. Ihr Verlauf steigt aber nicht so sprunghaft an und ist meist weniger schwer.

Der Hamburger Hausarzt Klaus Schäfer hat bei Patienten, die mit Influenza und Erkältungen in seine Praxis kommen, folgende Beobachtung gemacht: „Diese Krankheiten dauern in diesem Jahr häufig länger als in den vergangenen Jahren, das heißt, zehn bis 14 Tage. Sonst waren die Patienten nach einer Woche schon wieder arbeitsfähig“, berichtet Schäfer. Ähnliches habe er auch von anderen Kollegen gehört.

Insgesamt hat die Grippe Deutschland fest im Griff. „Stark erhöhte Influenza-Aktivität“ meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) bundesweit schon seit zwei Wochen, aber zuletzt schnellten die Zahlen bestätigter Grippefälle rasant nach oben: mehr als 18.000 insgesamt in der diesjährigen Grippesaison, mehr als ein Drittel davon (6251) allein in der siebten Kalenderwoche. Nicht eingerechnet ist dabei die immense Dunkelziffer der nicht im Labor bestätigten Fälle.

Aus den Arztpraxen werden laut AGI folgende Zahlen gemeldet: Hochgerechnet etwa 1,5 Millionen Menschen gingen in Deutschland allein in der vergangenen Woche mit Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen zum Arzt.

Ob die diesjährige Grippewelle tatsächlich schwerer verläuft als sonst, lässt sich endgültig aber erst sagen, wenn alle Daten ausgewertet sind. „Eine umfassende Beurteilung der Schwere der Infektionen können wir erst nach Ende der Grippewelle abgeben“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Anhand der vorliegenden Daten kann man aber bereits sehen, dass die diesjährige Grippewelle bisher stärker ist als 2014.

Für eine Impfung ist es auch jetzt noch nicht zu spät. Bis der Impfschutz aufgebaut ist, dauert es aber zehn bis 14 Tage. Die Empfehlung der ständigen Impfkommission am RKI gilt für alle Personen ab 60 Jahre, für Frauen, die schwanger sind, für chronisch Kranke, die besonders gefährdet sind und für Personen, die im Falle einer Infektion von ihnen betreute Risikopersonen anstecken könnten.

Behandeln kann man bei der Influenza und den Erkältungskrankheiten nur die Symptome. Da es sich bei diesen Erkrankungen um Virusinfekte handle, könnten sie nicht mit Antibiotika behandelt werden, die nur gegen Bakterien wirksam sind, sagt Schäfer. Die Patienten brauchen Ruhe, eine gute Ernährung und viel Flüssigkeit.