Früher Tod durch chronische Erkrankungen

16 Millionen Menschen sterben vorzeitig, und dies wäre größtenteils vermeidbar. Das zeigt Bericht der Weltgesundheitsorganisation

Genf. Wie kann man die Gesundheit der Weltbevölkerung am schnellsten verbessern? Auf diese Frage gibt es natürlich keine einfache Antwort. Es gibt zu viele spezifische Gesundheitsprobleme in den einzelnen Regionen und extrem unterschiedlich entwickelte Gesundheitssysteme.

Dennoch hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem neuesten Zustandsbericht zur Verteilung von nicht übertragbaren Krankheiten konkrete Punkte aufgezählt, mit denen sich die Gesundheit der Menschen effizient verbessern lässt. So sollten die Staaten auf freiwilliger Basis dafür sorgen, dass die Menschen weniger Alkohol und Salz aufnehmen und weniger rauchen. Es müsse mehr gegen Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und andere Zivilisationskrankheiten getan werden.

Man müsse mehr dafür tun, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden. Zudem müsse die Behandlung von chronischen Krankheiten verbessert werden. Nur so, betont WHO-Generaldirektorin Margaret Chan, könne das Ziel erreicht werden, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent zu senken. „Von den 38 Millionen Todesfällen, die sich im Jahr 2012 ereignet haben, sind 16 Millionen beziehungsweise 42 Prozent vorzeitig eingetreten“, so Chan, „sie lassen sich auf chronische Krankheiten zurückführen. Die meisten dieser Todesfälle wären vermeidbar gewesen.“ Mehr als drei Viertel der vermeidbaren Todesfälle träten in Entwicklungs- und Schwellenländern auf.

Dass immer mehr Menschen an chronischen Krankheiten sterben, sei eine Folge der Globalisierung, der schnellen Verstädterung und der sogenannten Überalterung der Gesellschaft. Dagegen kann der Einzelne wenig tun. Jeder könne jedoch auf seine Gesundheit achten. Damit das mehr passiert, müssten, so die WHO, Staaten auf höchster Regierungsebene dafür sorgen, dass genügend Aufklärungsarbeit geleistet werde und die medizinische Versorgung stehe. Die WHO richtet ihren Appell ausdrücklich an die Gesundheitsminister jener Länder, die „von oben“ für weniger vorzeitige Todesfälle in ihren Staaten sorgen könnten.

Ein ermutigendes Beispiel sei Brasilien, so die WHO. Hier stürben pro Jahr 1,8 Prozent weniger Menschen an chronischen Krankheiten, weil die Erstversorgung von Patienten verbessert wurde. In der Türkei habe das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden die Zahl der Raucher zwischen 2008 und 2012 um 13,4 Prozent gesenkt. Eine Steuer auf ungesunde Getränke, die Zucker, Alkohol oder Salz enthielten, habe in Ungarn 40 Prozent der Getränkehersteller ihre Rezepturen ändern lassen. Die Verbraucher hätten diese Getränke bis zu 35 Prozent weniger gekauft.

Als wirksamste Maßnahmen, durch die Regierungen die Gesamtgesundheit ihrer Bevölkerung verbessern könnten, gehöre das Verbot oder zumindest die Einschränkung von Tabak- und Alkoholwerbung und der Austausch von Trans-Fettsäuren in Lebensmitteln durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Die Länder sollten zudem mehr Kraft und Geld in Aufklärungskampagnen gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle stecken, das Stillen von Babys fördern und besser über die wohltuende Wirkung von körperlicher Aktivität aufklären. Auch sollten die Länder mehr Screeningprogramme durchführen, etwa zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.