Zooplankton untergräbt Klimaeffekt durch Eisendüngung

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Forscher Eisen im Südlichen Ozean freigesetzt, um das Wachstum der Mikroalgen und damit die Aufnahme von CO2 zu untersuchen. Dabei zeigte sich bereits, dass das Zooplankton Algen frisst.

Bremerhaven. Die Düngung des Südpolarmeeres mit Eisen lässt Mikroalgen (Phyto-Plankton) besser wachsen. Diese nehmen dabei vermehrt das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) auf und sinken, wenn sie absterben, mit ihm zum Meeresboden herab. Eine solche CO2-Deponie am Ozeangrund wollen einige Forscher im Kampf gegen den Klimawandel einrichten, indem sie dem Meer künstlich Eisen zusetzen.

Doch dabei entsteht ein zweiter Effekt: Der angeregte Algenwuchs lässt auch Kalkschalen bildende Meeresorganismen besser wachsen, die sich von dem Phtyoplankton ernähren. Diese Organismen scheiden aber beim Wachstum CO2 aus – und wirken damit dem positiven Effekt des Phytoplanktons entgegen. Das fand ein internationales Forscherteam heraus unter der Regie von Dr. Ian Salter vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

In mehreren, teils umstrittenen Experimenten haben AWI-Forscher in den Jahren 2000, 2004 und 2009 vom Schiff „Polarstern“ aus Eisen im Südlichen Ozean freigesetzt, um das Wachstum der Mikroalgen und damit die Aufnahme von CO2 zu untersuchen. Dabei zeigte sich bereits, dass das Zooplankton (kleine tierische Wasserorganismen), das die Algen frisst, mit über die Wirksamkeit der Düngung entscheidet.

Diese Kalkschalen beeinflussen den CO2-Haushalt

„Die bisher gemachten Untersuchungen reichen nicht aus, um zu verstehen, welche Mengen Kohlenstoff unter dem Strich wirklich gebunden werden. Der vom Phytoplankton verfrachtete organische Kohlenstoff stellt nämlich nur ein Kapitel einer ausgesprochen komplexen Geschichte dar“, so Salter.

Weitere Handelnde dieser Geschichte sind im Wasser schwebende Winzlinge, die wissenschaftlich Foraminiferen und Flügelschnecken heißen. Sie bauen Kalkschalen und setzen dabei CO2 frei. Um ihren Einfluss näher zu erkunden, hatten die Forscher die Gewässer rund um die vulkanischen Crozet-inseln untersucht, die zwischen Afrika und der Antarktis im Indischen Ozean liegen. Das Meer um die Inselgruppe ist auf natürliche Weise besonders eisenreich. Die Meeresbiologen stellten fest, dass dort mehr Kalkschalen in die Tiefsee gelangen als abgestorbenes pflanzliches Plankton.

„Wenn diese Kalkschalen entstehen und zum Meeresgrund sinken, beeinflussen sie den CO2-Haushalt der oberen Wasserschichten für Hunderte bis Tausende von Jahren“, erläutert Ian Salter. Die Untersuchungen ließen vermuten, so Salter, dass durch das vermehrte Wachstum von Kalkschalen bildenden Organismen „in einer natürlich gedüngten Meeresregion zehn bis 30 Prozent weniger CO2 gespeichert wird als bisher angenommen“.