Die drei Planeten der Novembernächte

Der Sternenhimmel über Hamburg in diesem Monat

Hamburg. Drei „Nachtwandler“ begleiten uns durch die Novembernächte: Mars, Jupiter und Merkur. Diese Planeten (benannt nach dem griechischen Wort für Wanderer) ziehen durch das anscheinend feste Muster der Sternbilder und sorgen für Abwechslung. Ebenso unser Erdtrabant, der schon in den ersten Monatstagen den Abendhimmel beherrscht.

Bereits am 6.November ist Vollmond, und die runde Mondkugel im Sternbild Widder steht die ganze Nacht am Himmel. Ohne störendes Mondlicht kann man ab der Monatsmitte in die Sterne schauen, sobald der Mond zum abnehmenden Halbmond geworden ist und sich danach immer weiter in die zweite Nachthälfte zurückzieht. Nach Neumond (22.11.) taucht die zunehmende Mondsichel wieder am südwestlichen Abendhimmel auf.

Am Abend des 26. November steht die Sichel des zunehmenden Mondes genau über dem Planeten Mars. Der Rote Planet schafft es in den kommenden Wochen weiterhin, sich am Ende der Abenddämmerung noch bemerkbar zu machen. In südlicheren Breiten, rund ums Mittelmeer oder auf den Kanarischen Inseln, kann man ihn leicht sehen – bei uns hält sich Mars gegen 18 Uhr (eine Stunde nach Sonnenuntergang) allerdings schon sehr tief im Südwesten auf. Seine Untergangszeit bleibt bis zum Monatsende nahezu konstant bei etwa 19.30 Uhr MEZ. Mars ist bereits rund 250 Millionen Kilometer von uns entfernt und fällt von unserer schneller um die Sonne rasenden Erde aus gesehen weiter zurück, bis er dann im kommenden Jahr hinter der Sonne verschwindet. Der Sternenhimmel zeigt sein typisches Herbstgewand. Vom Sommerdreieck im Westen steigt das Band der Milchstraße steil hinauf in den Zenit zum Himmels-W der Kassiopeia. Zwischen Himmels-W und dem Sommerdreieck erkennen wir in der Milchstraße die lichtschwächere Sternenfigur des Kepheus. Es ist ein leidenschaftliches und fantasievolles „Fernseh-Programm“ der alten Griechen, das uns am Sternenhimmel geboten wird. Denn der griechischen Sage nach waren Kepheus und Kassiopeia ein Königspaar und Kassiopeia so eitel, dass sie damit den Zorn des Meeresgottes Poseidon herausforderte, der daraufhin das Meeresungeheuer Ketos aussandte, das die Küsten bedrohte. Um es zu besänftigen, musste Kassiopeia die eigene Tochter Andromeda opfern.

Südlich ihrer Mutter Kassiopeia finden wir sie am Himmel: genau zwischen dem Himmels-W und dem auffälligen, halbhoch im Süden stehenden „Herbstviereck“ des Pegasus. Tatsächlich stellt der linke obere, also der nordöstliche Stern des Herbstvierecks „Alpha Andromeda“, ihren Kopf dar, von dem mehrere Sternenketten ausgehen, die den Körper und die Arme der Prinzessin markieren.

Südlich davon, tief am Südhorizont, finden wird das herannahende Meeresungeheuer Ketos – das heutige Sternbild Walfisch. Viel heller leuchten die Sterne des Perseus, des Helden, der das Meeresungeheuer besiegt und Andromeda rettet. Wir finden sie östlich von Andromeda und Himmels-W in der Milchstraße, als astgabelförmige Sternfigur.

Fast noch fantastischer wirkt die Geschichte, die uns die moderne Wissenschaft über die Sterne am Himmel erzählt: All diese funkelnden Lichter sind ferne Geschwister unserer Sonne und Angehörige einer gigantischen „Sternenstadt“, die wir Milchstraße nennen und die nur abseits der Stadt als Lichtband am Himmel zu sehen ist.

Und fast senkrecht über uns im Sternbild Andromeda, zwischen dem Himmels-W und dem Herbstviereck, entdecken wir mit bloßem Auge sogar den neblig wirkenden Lichtfleck unserer Nachbarmilchstraße, den Andromedanebel. Eine Stadt aus mehr als 200 Milliarden Sternen, Staub und Gas, eine Galaxie in mehr als zwei Millionen Lichtjahren Entfernung von uns. Selbst im Fernglas oder einfachen Fernrohr können wir die vielen Sterne nicht erkennen. Sie konnten erst seit den 1920er-Jahren mit Riesenfernrohren gesichtet werden.

In unserer eigenen Galaxis, der Milchstraße, fallen uns dagegen jetzt ab 22 Uhr viele helle Sterne schon mit bloßem Auge auf, denn ein Großteil des aus hellen Sternen bestehenden „Wintersechsecks“ ist bereits aufgegangen: Hoch im Osten die helle Capella im Fuhrmann, etwas tiefer der rötliche Hauptstern Aldebaran im Stier sowie die Zwillingssterne Castor und Pollux – und das Prunkstück des Winters, der wie ein Schmetterling wirkende Orion.

Schon mit bloßem Auge erkennen wir rund um Aldebaran auch den v-förmigen Sternhaufen der Hyaden und die dichtere, wie eine Miniausgabe des Großen Wagens geformte Sternengruppe der Plejaden, das Siebengestirn.

Zu Monatsbeginn müssen wir noch bis Mitternacht auf Jupiter warten. Am Monatsende geht er bereits gegen 22 Uhr auf – fast zeitgleich mit Sirius, dem hellsten Fixstern. Sirius funkelt im Südosten und Jupiter im Ostnordosten. Der Riesenplanet übertrifft Sirius deutlich an Helligkeit. Jupiter bewegt sich in diesem Monat im Sternbild Löwe auf dessen Hauptstern Regulus zu. Regulus steht etwa eine Faustbreit „links unterhalb“ von Jupiter. Am 13. und 14. November gesellt sich der abnehmende Halbmond dazu, und so können wir ab Mitternacht sogar ein prächtiges Dreigestirn sehen, das in der beginnenden Morgendämmerung hoch über der Südrichtung leuchtet. Bei klarer Sicht zum Südosthorizont haben wir bis Mitte November die beste Gelegenheit, um auch noch den Planeten Merkur finden. Merkur steht eine Dreiviertelstunde vor Sonnenaufgang ungefähr eine Faustbreit über dem Südosthorizont – ziemlich genau über dem Punkt, an dem später die Sonne aufgeht. Venus und Saturn suchen wir in diesem Monat vergeblich: Sie verstecken sich im Glanz der Sonne.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazu gehörenden Sternen-Podcast herunter geladen werden unter: www.abendblatt.de/sterne