Archäologen finden mysteriöse Kammern in Teotihuacán

Mexiko: Handelt es sich um die Gräber der damaligen Herrscher?

Mexiko-Stadt. Ein Jahr lang pflügten sich Archäologen akribisch durch den 103 Meter langen Tunnel im prähistorischen Teotihuacán im heutigen Mexiko. Nun haben sie das Ende des vor fast 2000 Jahren versiegelten Durchgang erreicht – und Abertausende Relikte wie Saatgut, Töpfereien und Tierknochen zu Tage gefördert. Doch das ist längst nicht alles: Rund 18 Meter unter dem sogenannten Tempel der Gefiederten Schlange stieß das Team auf drei Kammern. Da sich an deren Eingang auch eine große Opferstätte fand, könnten die Gemächer womöglich die Gräber der Herrscherelite der bedeutenden Ruinenstadt beherbergen.

Weil es einer der heiligsten Orte in ganz Teotihuacán gewesen sei, könnten die Kammern von den Führern dazu genutzt worden sein, sich göttlichen Rückhalt für ihre Herrschaft auf der Erdoberfläche zu sichern, sagt Projektleiter Sergio Gomez. Anders als an anderen prähistorischen Ruinen Mexikos haben Forscher noch nie sterbliche Überreste in Teotihuacán gefunden, die Herrschern der Stadt zugeschrieben werden könnten. Würden dort tatsächlich ihre Gräber entdeckt, könnte sie Erkenntnisse über die Führungsstruktur geben, etwa zur Frage, ob die Regenten per Erbfolge bestimmt wurden.

Vorläufigen Studien des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte zufolge waren die Tunnel bis um das Jahr 250 nach Christus in Betrieb. Bislang haben sich die Forscher erst 60 Zentimeter tief in die Kammern vorgegraben. Gomez gibt sich ungeachtet dessen zuversichtlich, auf die Gräber zu stoßen. „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, sie zu finden, und wenn es sie gibt, müssen sie von jemandem sein, der sehr, sehr wichtig war.“

Teotihuacán galt lange Zeit als die dominierende Metropole im Zentrum Mexikos. Ihre Blütezeit hatte die Stadt von 100 vor Christus bis 750 nach Christus. Mehr als 100.000 Menschen sollen in dem Gebiet gelebt haben, bis sie vor dem Aufstieg der Azteken im 14. Jahrhundert von ihren Bewohnern verlassen wurde. Heute gilt die Ruinenstadt am Rand von Mexiko-Stadt mit ihren weitläufigen Straßen und riesigen Pyramiden als bedeutende historische Stätte und Touristenattraktion.