Messe Hanseboot

Bewuchshemmende Bootsanstriche belasten die Gewässer

Nach einer Untersuchung des Umweltbundesamts, geben oft bewuchshemmende Anstriche an Sportbootrümpfen gefährliche Substanzen ab. Das Ergebnis und Alternativen werden auf der Hanseboot vorgestellt.

Hamburg. Bewuchshemmende Anstriche an Sportbootrümpfen geben oft so viel giftige Substanzen in Gewässer ab, dass sie die darin lebenden Organismen schädigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Umweltbundesamts (UBA), die am Dienstag auf der Messe Hanseboot vorgestellt wurde. Wasserproben aus 50 Sportboothäfen wurden auf den gängigen Wirkstoff Cybutryn (wichtigster Handelsname: Irgarol) analysiert, darunter auch der in Wedel. Fünfmal überschritten die Gehalte sogar die in EU-Gewässern zulässige Höchstkonzentration für diesen Wirkstoff.

In Wedel und weiteren 34 Häfen lag die Stichprobe über dem niedrigeren, zulässigen Jahresmittelwert der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Zwar wurden die Proben im Sommer genommen, also zu einer Zeit, in der die Gehalte höher sind als im Winter, wenn die meisten Boote an Land stehen.

Aber die Überschreitungen weisen zumindest auf potenzielle Probleme in diesen Häfen hin, sagt Ralf Schmidt, der beim UBA die Schadstoffbelastung deutscher Gewässer im Blick hat. Irgarol kann die Fotosynthese von Pflanzen hemmen und baut sich nur sehr langsam ab. Es steht für viele andere sogenannte Antifouling-Anstriche, die gewässerschädigende Substanzen enthalten.

Alle am Markt befindlichen Produkte sind noch ungeprüft

In den Häfen siedeln sich bereits nach kurzer Liegezeit Algen, Mikroorganismen, Flohkrebse, Kieselalgen, Polypentierchen später auch Seepocken und Muscheln auf den Schiffsrümpfen an. Um dies zu verhindern, werden die Unterwasserbereiche von Booten häufig mit Antifouling-Farben geschützt.

Viele von ihnen enthalten, wie Irgarol, Biozide, also Wirkstoffe, die schädliche oder lästige Pflanzen und Tiere töten. Neue Wirkstoffe unterliegen einem EU-Zulassungsverfahren, das unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Doch alle derzeit am Markt befindlichen Produkte sind bereits älter und daher noch ungeprüft. „Ab 2020 werden voraussichtlich nur noch geprüfte Produkte auf dem Markt sein“, sagt Biozid-Expertin Ingrid Nöh vom UBA.

Der Hamburger Antifouling-Spezialist und Gewässerökologe Dr. Burkard Watermann führte mit seiner Firma LimnoMar für das Bundesamt die Untersuchungen durch. „Um den Umfang des Problems zu ermitteln, mussten wir uns zunächst ein Bild davon machen, wie viele Bootsliegeplätze in Deutschland überhaupt vorhanden sind“, sagt Watermann. Zählungen auf Satellitenbildern am Computerbildschirm ergaben gut 206.000 Plätze in 3091 Sportboothäfen, dazu geschätzte 20.000 Plätze in Buchten oder an Stegen mit weniger als sechs Booten.

Gut 54.000 Liegeplätze hat Watermann gezählt

Überraschend war, dass der weit überwiegende Teil in Süßwasserrevieren liegt: 146.000 Liegeplätze (71 Prozent) befinden sich im Binnenland. Allein in Berlin-Brandenburg können 40.000 Boote festgemacht werden, an der Mecklenburger Seenplatte sind es 19.000. Auch auf den Voralpenseen herrscht reger Bootsverkehr (23.000 Liegeplätze). Die Unterelbe mit Hamburg und der Niederrhein sind mit jeweils rund 10.000 Liegeplätzen kleinere Sportboot-Ballungsräume.

Gut 54.000 Liegeplätze hat Watermann in Brackwasserrevieren (Ostsee, Flussmündungen) gezählt. In den Salzwasserhäfen der Nordseeküste sind nur 5775 Plätze zu haben. Das ist aus Sicht des Bewuchsschutzes eine gute Nachricht. Denn der Druck durch Algen, Mikroben, Seepocken und Co. ist im Salzwasser weit höher als im Süßwasser.

„Im Salzwasser kommen Sie ohne Biozide nicht aus“, urteilt Watermann. Aber im Süß- und Brackwasser lohne es sich, biozidfreien Bewuchsschutz auszuprobieren. Dazu gehören Antihaftbeschichtungen auf Silikon- oder Teflonbasis. „Teflonbeschichtungen sind in Deutschland jedoch leider nicht mehr ohne Kupfer zu erhalten. Es ist ebenfalls ein Biozid, die Produkte sind also nicht biozidfrei. Zum Teil ist das Kupfer separat verpackt, sodass man es auch weglassen kann“, so Watermann.

Das Ultraschallverfahren ist noch in der Entwicklung

Solche Hartbeschichtungen bieten nicht nur weniger Angriffsfläche, sie lassen sich auch leichter reinigen. Bei der simpelsten Putzaktion werden zwei Taue an einem alten Teppich oder Ähnlichem befestigt und dieser unter dem Rumpf hindurchgezogen. An der Ostküste Schwedens bieten bereits ein gutes Dutzend halbautomatischer Bootswaschanlagen ihre Dienste an – in einer Viertelstunde ist ein durchschnittlich bewachsener Rumpf wieder sauber.

Sogenannte erodierende Beschichtungen lösen sich während der Fahrt in Spuren ab und nehmen die blinden Passagiere gleich mit. Weitere Ansätze sind Wachse (Watermann: „schwierig zu applizieren“) und – noch in der Entwicklung – Ultraschallverfahren, die den Rumpf leicht vibrieren lassen.

Auch Bootshebeanlagen schützen vor Bewuchs; in ihnen parken die Sportschiffe aufgebockt oder aufgehängt in Schlaufen oberhalb der Wasserlinie. Sie sind zum Teil am Ratzeburger See zu sehen. Er ist zusammen mit seinem Abfluss, der Wakenitz, Deutschlands einziges Gewässer, in dem biozidhaltige Anstriche komplett verboten sind.

Genaue Angaben zu dem Bewuchs in den unterschiedlichen Sportboothäfen: www.bewuchs-atlas.de