Forschung

Auf der Spur der Superverbreiter von Infektionen

Neue Studie an Mäusen zeigt, dass Ansteckungsgefahr auch nach Antibiotika-Gabe bleibt

Stanford. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Studien nahelegt, dass eine Minderheit von Superverbreitern für die Mehrheit von Krankheitsübertragungen verantwortlich ist. Gemeinhin wird hier auf die 80/20-Regel von Mark Woolhouse zurückgegriffen, derzufolge 20 Prozent der infizierten Träger 80 Prozent der Infektionen verantworten. Dennoch war bislang nur wenig darüber bekannt, was Superverbeiter von anderen Infizierten unterscheidet. Jetzt hat eine Studie an Mäusen gezeigt, dass Superverbreiter von Krankheiten in manchen Fällen auch nach einer Behandlung mit Antibiotika weiter die entsprechenden Erreger abgeben können. Ihre Ergebnisse präsentieren US-amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift „PNAS“.

Superverbreiter kommen sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vor. So wurden etwa Lebensmittelvergiftungen mit Salmonellen und Kolibakterien auf sogenannte Superspreader in Viehherden zurückgeführt. „Zu wissen, wie man Superspreaders schnell und einfach identifiziert, könnte helfen, Epidemien einzugrenzen oder sie gar zu verhindern“, betonte Denise Monack von der Universität Stanford nach einer Pressemitteilung ihrer Forschungseinrichtung. Die Mediziner der Universität infizierten für ihre Studie Mäuse mit Salmonellen (Salmonella typhimurium). Danach bestimmten sie das Level der fäkal ausgeschiedenen Bakterien und fanden heraus, dass 30 Prozent der Mäuse zu den Superverbreitern gehörten: Ihr Immunsystem zerstörte die Bakterien nicht. Diese Mäuse hatten ein heruntergeregeltes Immunsystem. Anstatt die Bakterien zu bekämpfen, lebten die Superverbreiter damit.

Offen ist, ob diese Ergebnisse auf Menschen übertragen werden können

Nach einer Behandlung mit bestimmten Antibiotika zeigten sowohl die Superverbreiter als auch die übrigen infizierten Mäuse Störungen des Darmtrakts. Während allerdings die normal infizierten Mäuse eine erhöhte Bakterienausscheidung, Entzündungsreaktionen und eine hohe Morbidität aufwiesen, blieben die Superverbreiter asymptomatisch. Die Forscher beobachteten außerdem, dass die Mäuse, die nicht zu den Superverbreitern gehörten, im Durchschnitt 15 Prozent ihres Körpergewichts verloren, die Superspreaders hingegen nur zwei Prozent.

Nach Angaben der Wissenschaftler könnte das ein Hinweis darauf sein, dass diese durch ihre Eigenschaft als Superverbreiter auch eine Toleranz gegenüber den antibiotisch begründeten Darmschädigungen und Entzündungsreaktionen haben. Auch hier könne ihr abgeschwächtes Immunsystem helfen. Sie seien also weiterhin gesund genug gewesen, um Erreger zu verbreiten, so Monack. In diesem Fall habe die Antibiotikagabe genau das Gegenteil des gewünschten Effekts erzielt. „Die Superverbreiter scheiden zwar nach der Behandlung mit Antibiotika weniger Bakterien aus als andere Mäuse. Diese sind allerdings zu schwach, um die Krankheit weiterzuverbreiten – im Gegensatz zu Superspreaders“, so die Medizinerin. Es sei allerdings noch nicht klar, inwiefern diese Ergebnisse auf Menschen übertragen werden könnten.