Gefäßchirurgen warnen vor Gefahr der Arteriosklerose

Immer mehr Menschen leiden an Durchblutungsstörungen in den Beinen

Hamburg. Die Arteriosklerose hat viele Gesichter. Je nachdem an welcher Stelle es zu Einengungen oder Verschlüssen von Blutgefäßen kommt, sind die Folgen Herzinfarkt, Schlaganfall, Aussackungen der Bauchschlagader oder Durchblutungsstörungen in den Beinen, medizinisch periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Diese Erkrankung ist in der Bevölkerung besser bekannt als Schaufensterkrankheit, weil die Betroffenen bei längeren Gehstrecken Schmerzen in den Beinen bekommen. Dadurch sind sie gezwungen, Ruhepausen einzulegen, und überspielen das oft, indem sie Auslagen in den Schaufenstern anschauen.

„Die Bedeutung der pVAK wird von Ärzten und Patienten deutlich unterschätzt“, sagte Prof. Eike Sebastian Debus, Direktor der Klinik für Gefäßmedizin am Universitären Herzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, am Donnerstag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin, die zurzeit mit 1500 Teilnehmern im CCH stattfindet.

Dabei sind die Zahlen alarmierend. „Die Häufigkeit der pAVK ist in den vergangenen zehn Jahren dramatisch angestiegen, in Ländern mit hohem Einkommen wie Deutschland um 13,1 Prozent. Es wird geschätzt , dass bei uns circa drei Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen sind“, sagte Kongresspräsident Debus. Mehr als 50 Prozent der Patienten mit einer pVAK sterben an einem Herzinfarkt, circa 15 Prozent an einem Schlaganfall.

In der Therapie geht die Tendenz zu schonenden Verfahren

Zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verwies Debus auf die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation: das Rauchen aufgeben, sich gesund ernähren, körperlich aktiv sein (wenigsten 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche), Übergewicht vermeiden, Blutdruck und Cholesterinwert im Blut senken, den Blutzucker vom Arzt gut einstellen lassen und wenn nötig Medikamente einnehmen, die die Verklumpung der Blutplättchen hemmen.

In der Therapie von Gefäßerkrankungen gehe die Tendenz zu Verfahren, die mit möglichst wenig Verletzungen des Patienten möglichst große Behandlungserfolge erzielen, mit Stents, Kathetern und der Aufdehnung von Gefäßverengungen durch Ballons, sagte Prof. Heiner Wenk, Direktor der Gefäßchirurgischen Klinik des Klinikums Bremen Nord und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin. In seiner Klinik werde zunächst versucht, die Durchblutungsstörung von innen durch eine Aufdehnung der Gefäße zu behandeln, wenn nötig, werde ein Stent eingesetzt. Wenn auch das nicht reiche, werde noch in der gleichen Sitzung eine Bypass-Operation durchgeführt.

Im Rahmen des Kongresses findet auch eine kostenlose Veranstaltung für die Öffentlichkeit statt, am 27.9., 12.30 Uhr, CCH, Saal 4. Unter dem Titel „Im-Puls“ heute handeln morgen leben bieten drei Künstler einen medizinisch-kulturellen Blick auf Prävention, Entstehung und Therapie von Gefäßerkrankungen: Dr. Fiona Rohlffs von der Klinik für Gefäßmedizin am Universitären Herzzentrum des UKE (Vortrag, Violine), Andreas Paulsen (Klavier, Katrin Werth (Schauspiel, Gesang)