Ein Schrittmacher, der mitwächst

Hamburger und Aachener Forscher entwickeln Implantat für Kinder, deren Herz zu langsam schlägt

Hamburg. Ein aktuelles Projekt der Kinderherzchirurgie des Universitätsklinikums Eppendorf soll eine verträglichere Alternative zu bisherigen Herzschrittmachern schaffen. Dabei geht es um einem biologischen Schrittmacher aus körpereigenen Zellen des Patienten, der krankes Gewebe ersetzen soll. Am Donnerstag wurde das Projekt, das von der Stiftung KinderHerz gefördert wird, in Hamburg vorgestellt.

Das Herz muss sich in seiner Frequenz den Belastungen des Patienten anpassen, das heißt, bei Anstrengung schlägt es schneller. Dafür muss an einer bestimmten Stelle, dem AV-Knoten, ein Signal aktiviert werden. Doch bei angeborenen Herzfehlern bei Kindern oder infolge einer degenerativen Erkrankung bei Erwachsenen kann es dort zu einer Blockade kommen, sodass das Herz bei Anstrengung zu langsam schlägt. Die Lösung dieses Problems war bisher ein implantierbarer Herzschrittmacher: Eine über die Venen in das Herz eingeführt Sonde wird an ein kleines Gerät angeschlossen, das unter die Haut am Brustkorb implantiert wird und von außen das Herz stimuliert. Allerdings halten Batterien und Sonde nicht ewig, sondern müssen immer mal wieder ausgewechselt werden. Zudem besteht durch das körperfremde Material das Risiko einer Infektion.

Der neue Therapieansatz befindet sich noch im experimentellen Stadium

Privatdozent Dr. Jörg Sachweh, Leiter der Herzchirurgie für angeborene Herzfehler am Universitären Herzzentrum des Uniklinikums Eppendorf, arbeitet nun mit dem Team von Prof. Stefan Jockenhövel vom Helmholtz Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen an einem neuen Ansatz zur Behandlung dieser Blockade, an einem körpereigenen mitwachsenden biomedizinischen Implantat.

„Bei diesem biologischen Herzschrittmacher wird der AV-Knoten durch künstlich hergestelltes Gewebe aus eigenen Zellen des Patienten ersetzt. Dafür wird eine röhrenförmige Struktur hergestellt, die dann mit den Zellen des Patienten besiedelt und in sein Herz implantiert wird. Dieser Träger ist nötig, um den Herzzellen eine geordnete Struktur zu geben, sodass sie auch richtig funktionieren können“, sagt Sachweh. Mit dem Schrittmacher sei dann keine Stimulation von außen, keine Sonde und kein Gerät mehr nötig, damit der Herzrhythmus alle Belastungen mitmacht. „Dieser neue Therapieansatz befindet sich zurzeit noch im experimentellen Stadium. Bis wir ein solches Implantat einem Patienten einsetzen können, werden noch fünf bis zehn Jahre vergehen“, sagt Sachweh.