Erstmals rechte Herzklappe per Katheter repariert

Dieser schonende Eingriff wurde erstmals weltweit am Albertinen-Krankenhaus bei einer 89 Jahre alten Patientin durchgeführt

Hamburg. „Mir geht es sehr gut, ich kann jetzt gut schlafen und mich gut bewegen, ich bin glücklich, dass der Professor das geschafft hat“, sagte Gerda Freytag. Gerade eine Woche ist es her, dass bei ihr im Albertinen-Krankenhaus ein Eingriff durchgeführt wurde, der bisher weltweit einmalig ist. Prof. Joachim Schofer, Leiter des Departments perkutane Behandlung von Herzklappenerkrankungen am Herz- und Gefäßzentrum des Albertinen-Krankenhauses, hat bei der 89 Jahre alten Patientin diese sogenannte Trikuspidalklappe zwischen rechten Herzvorhof und rechter Herzkammer durch einen Kathetereingriff rekonstruiert. Am Donnerstag konnte die Patientin das Krankenhaus verlassen. Eine kathetergestützte Rekonstruktion der Mitralklappe zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer gibt es bereits.

Dem neuartigen Eingriff an der rechten Herzklappe war eine ausführliche Beratung des Falles im Herzteam des Albertinen-Krankenhauses vorausgegangen, das aus Kardiologen und Herzchirurgen besteht. Dabei kamen die Ärzte zu dem Schluss, dass eine offene Operation der Herzklappe für Frau Freytag zu riskant sei, denn die Patientin hatte bereits eine erhebliche Herzschwäche. Dadurch, dass durch die undichte Klappe bei jedem Herzschlag Blut in den Herzvorhof zurückfloss, staute sich das Blut in den Körper zurück. Die Folge waren Wassereinlagerungen in den Beinen sowie Schäden an Leber und Nieren.

Deswegen entschlossen sich die Ärzte dazu, die Klappe über einen Katheter bei schlagendem Herzen zu rekonstruieren. Dabei wandten sie eine Technik an, die sonst auch bei offenen Operationen eingesetzt wird. Die Klappe, die aus drei Segeln besteht, wird so gerafft, dass sie nach dem Eingriff nur noch aus zwei Segeln besteht. „Über die Halsvene wird ein Katheter bis in die rechte Herzkammer geschoben. Dort wird an jeder Seite des hinteren Klappensegels ein Anker befestigt. Mit Fäden und der Hilfe eines Katheters werden diese Anker zusammengezogen“, erklärt Prof. Schofer. So wird der Klappenring verkleinert und die Klappen schließen wieder. „Dadurch eröffnet sich für viele Patienten, denen bisher nicht ursächlich geholfen werden konnte, eine Behandlungsperspektive“, sagt Schofer. Denn für alte und sehr kranke Patienten ist eine offene Operation so riskant, dass sie oft nicht durchgeführt werden kann. Die Sterblichkeit bei einer solchen OP liegt bei fortgeschrittener Erkrankung bei 20 Prozent.

Und die Zahl der Menschen mit einer undichten Trikuspidalklappe ist hoch. In Europa und den USA sind rund vier Millionen Menschen daran erkrankt. Häufig ist die Erkrankung die Folge anderer Herzleiden. „Eine Einengung der Aortenklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader oder eine Undichtigkeit der Mitralklappe zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer führt zu einer Stauung, die sich bis in die rechte Herzkammer fortsetzen kann und dort dann zur Erweiterung des Herzens führt“, erklärt Prof. Friedrich-Christian Rieß, Chefarzt der Herzchirurgie und Chairman des Herz- und Gefäßzentrums am Albertinen-Krankenhaus. Und diese Erweiterung hat dann auch eine Erweiterung des Ringes der Trikuspidalklappe zur Folge, sodass die Klappe selbst nicht mehr richtig schließt.

Zweieinhalb Jahre hat Schofer für die Entwicklung des Verfahrens gebraucht. Der nächste Schritt: „Man wird das Verfahren weiter modifizieren und vereinfachen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass in Europa eine Studie mit 30 bis 50 Patienten durchgeführt wird“, sagt Schofer. Auch amerikanische Zentren hätten bereits Interesse gezeigt, sich an der Studie zu beteiligen. Erst wenn die neue Methode diese Studien erfolgreich durchlaufen hat, steht sie auch im klinischen Alltag für die Patienten zur Verfügung, aber zunächst nur für diejenigen, für die eine offene Operation zu riskant ist. „Man muss noch mit zwei Jahren rechnen, bis das Verfahren auf den Markt kommt“, sagt Schofer. Bei Gerda Freytag hat der Eingriff vier Stunden gedauert. „Denn wir befanden uns auf einem bisher unbekannten Gebiet. Ich bin sicher, der nächste Eingriff wird zwei Stunden kürzer“, sagt der Kardiologe.

Da das Verfahren noch neu ist, wird er noch nicht von den Krankenkassen bezahlt. „Ein solcher Eingriff wird in den Fallpauschalen des DRG-Abrechnungssystems noch nicht abgebildet“, sagte Cord Meyer, Hauptgeschäftsführer des Albertinen-Diakoniewerks. Das bedeutet, dass die durch den Eingriff entstandenen Mehrkosten vom Krankenhaus getragen worden sind.