Sind Raben- und Nebelkrähen verschiedene Arten?

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Forscher fanden kaum genetische Unterschiede zwischen den Vögeln, auch wenn diese so unterschiedlich aussehen

Uppsala. Die Frage, ob Raben- und Nebelkrähen verschiedene Arten sind, beschäftigt Experten seit mehr als 250 Jahren. Zumindest genetisch unterscheiden sich die beiden Rabenvögel nur geringfügig, berichten nun Forscher aus Schweden, Deutschland und Spanien im Fachblatt „Science“. Dass die Vögel äußerlich gut zu unterscheiden sind, liege an genetischen Variationen, die weniger als ein Prozent des Erbguts betreffen.

Raben- und Nebelkrähen entwickelten sich aus einer Ursprungsart – vermutlich, als Populationen dieser Art während der Vereisung im Pleistozän räumlich voneinander isoliert wurden. Rabenkrähen haben ein schwarzes Gefieder und kommen in West- und Südwesteuropa vor. Bei den Nebelkrähen sind große Teile von Brust und Rücken grau gefiedert. Diese Vögel findet man in Deutschland östlich der Elbe und weiter bis nach Asien, sowie im Mittelmeerraum von Italien bis in die Türkei.

Quer durch Deutschland zieht sich von Nord nach Süd eine 15 bis 150 Kilometer breite, sogenannte Hybridisierungszone. Dort kommen beide Arten vor und paaren sich auch miteinander. Beim Nachwuchs solcher Paare treten alle möglichen Gefiederfärbungen auf. Diese setzen sich aber über die Hybridisierungszone hinaus nicht durch.

Die Wissenschaftler hatten zunächst das Erbgut von insgesamt 60 Vögeln aus vier Populationen von Raben- und Nebelkrähen in Spanien, Deutschland, Schweden und Polen analysiert. Sie fanden nur wenige Unterschiede im Aufbau des Erbguts der Vögel, was dafür spricht, dass es einen erheblichen Genfluss zwischen beiden Rabenvögeln gibt. Die meisten Unterschiede fanden sich auf einem Abschnitt des Chromosoms 18. Dort liegen Gene, die unter anderem für die Färbung des Gefieders zuständig sind. Die winzigen Unterschiede im Genom reichten womöglich aus, um die beiden Phänotypen aufrechtzuerhalten. Die Frage, ob Nebel- und Rabenkrähen eigenständige Arten sind, beantwortet die Studie letztlich nicht. Die Untersuchung zeige, dass es nicht so einfach sei, klare Grenzen zu ziehen und Arten zu charakterisieren.

( (dpa) )

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