Töpfer fordert „Kohle-Konsens“, um Klimaziele zu erreichen

Berlin. Vor der Veröffentlichung des dritten Teils des Weltklimaberichts forderten Experten eine konsequentere Energiewende in Deutschland. Es sei „wichtig, dass wir deutlich mehr bei Wärme und Verkehr machen“, sagte der frühere Chef der Uno-Umweltbehörde Unep, Klaus Töpfer, auf einer Veranstaltung der Denkfabrik Agora Energiewende. Ebenso wie die Umweltverbände WWF und BUND forderte er eine Abkehr von Kohlekraftwerken.

Nur durch verstärkte Anstrengungen für mehr Energieeffizienz sei das deutsche Ziel erreichbar, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken, so Töpfer. Er verwies auf die wieder steigenden deutschen CO2-Emissionen. Zudem müsse es das Ziel sein, „letztlich zu einem Ende der Kohlenutzung zu kommen“. Diesen notwendigen Strukturwandel solle ein „Kohle-Konsens“ sozial abfedern.

„Das Problem ist der Preisverfall bei den CO2-Zertifikaten im europäischen Emissionshandel“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. Dadurch seien Kohlekraftwerke derzeit rentabler als Gaskraftwerke, was die Emissionen ansteigen lasse. „Es bahnt sich an, dass wir einen gesellschaftlichen Großkonflikt im Bereich Kohle bekommen.“ Derzeit gleicht laut einer Agora-Studie der Ausbau erneuerbarer Energien die abnehmende Bedeutung der Atomkraft zwar mehr als aus. Auch bei der Energieeffizienz gibt es Fortschritte. Beides wird bei den Emissionen jedoch durch die Verdrängung von Gas durch Kohle und durch wachsende Stromexporte mehr als kompensiert.

Der Weltklimarat IPCC stellt am Sonntag in Berlin den dritten Teil seines fünften Sachstandsberichts vor. Er behandelt Strategien, die die fortschreitende Erwärmung begrenzen.