Wege zur nachhaltigen Landnutzung

Bericht des Uno-Umweltprogramms kritisiert hohe Tierproduktion und Trend zu Biokraftstoffen

Davos/Wuppertal. Bis zu 849 Millionen Hektar Natur könnten bis Mitte des Jahrhunderts weltweit zerstört werden, wenn sich der derzeitige Trend der Landnutzung fortsetzt – die Fläche entspricht fast der Größe Brasiliens. Das geht aus dem Globalen Landnutzungsbericht des Internationalen Ressourcenrats hervor, den der Direktor des Uno-Umweltprogramms Achim Steiner am Freitag am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos vorstellte.

Die Ausdehnung der Ackerflächen gingen zulasten von Grasland, Savannen und Wäldern, vor allem in den Tropen, so der Bericht. Es müsse sorgfältiger mit der Ressource Boden umgegangen werden. Dazu gehörten bessere landwirtschaftliche Praktiken und eine Raumplanung, die Landwirtschaftsflächen schütze. Zudem müsse die Nachfrage nach Agrarflächen auf ein Maß beschränkt werden, das eine nachhaltige Produktion erlaube.

Nicht erschlossene Potenziale, um Land zu sparen, sieht der Bericht in der Vermeidung von Ernteverlusten bei Transport, Lagerung, Verarbeitung. Auch würden viel zu viele Lebensmittel im Handel und bei den Verbrauchern im Abfall landen. Weltweit gehe auf den verschiedenen Stadtionen insgesamt ein Drittel der Ernten verloren.

„Ohne eine Veränderung unseres Verbrauchs wird eine nachhaltige Landnutzung nicht möglich sein. Ein Wandel ist aber möglich, der Nahrungsmittelsicherheit international gerechter und risikoärmer gewährleistet“, sagte Prof. Stefan Bringezu vom Wuppertal Institut, der die Arbeit an dem Bericht koordinierte. Eine gesündere Ernährung, die „auf ein Übermaß an Fleisch- und Milchprodukten“ verzichte, sei ein wesentlicher Beitrag, heißt es in der Mitteilung des Instituts – „in Deutschland braucht die Tierproduktion fünfmal mehr Fläche für das Futter als die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel mit dem gleichen Nährwert“.

Problematisch sei auch der wachsende Einsatz von Energiepflanzen für Biokraftstoffe. Die heute verpflichtenden Kraftstoffquoten sollten gesenkt und letztlich ganz abgeschafft werden, schlagen die Wissenschaftler vor.

Landwirtschaft bedeckt mehr als 30 Prozent der globalen Landfläche; allein zehn Prozent sind Äcker.