Forscher testen Verträglichkeit von Substanzen ohne Tierversuche

Auszeichnung an Toxikologen von BASF verliehen

Berlin. Die Abteilung Experimentelle Toxikologie und Ökologie des Chemiekonzerns BASF erhielt am Montag den Tierschutzforschungspreis des Bundesverbraucherministeriums (BMELV). Der mit 15.000 Euro dotierte Preis zeichnet Wissenschaftler aus, die Ersatzmethoden zu Tierversuchen entwickelt haben und wird seit 1980 verliehen. Die BASF-Forscher haben drei Testsysteme erschaffen, mit denen sich feststellen lässt, ob Substanzen Haut und Augen reizen oder sensibilisieren.

Sie testen Reizwirkungen auf Augen vor allem an isolierten Rinderhornhäuten, die aus Schlachtabfällen gewonnen werden. Dazu nutzen sie ein spezielles Messgerät, das im Hause BASF entwickelt wurde und nun nach Aussagen des Unternehmens zum Selbstkostenpreis auch anderen Labors zur Verfügung steht. Schwächere Reizwirkungen werden an dreidimensionalen Hornhautmodellen überprüft. Ein weiterer Ansatz nutzt Hühneraugen aus Schlachtabfällen. Die Verfahren ersetzen unter anderem den umstrittenen Draize-Test, bei dem lebenden Kaninchen die zu prüfenden Substanzen ins Auge getropft werden.

Bei den Hauttests wird vor allem das allergene Potenzial von Substanzen wie Konservierungsmittel, Duft- und Farbstoffe oder Nickel- und Chromverbindungen getestet. Hier kommen dreidimensionale Hautmodelle zum Einsatz. Insgesamt setzt BASF zur Überprüfung von Haut- und Augenverträglichkeit, die etwa von der europäischen Chemikalienverordnung Reach zur Zulassung von Pestiziden und bei der Entwicklung von Kosmetika verlangt wird, sieben verschiedene Methoden ein. Der Konzern bezeichnet sich als „Leuchtturm bei der Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden“, ein gutes Drittel aller Routineuntersuchungen würde mittlerweile tierversuchsfrei durchgeführt.

„Forschung leistet einen entscheidenden Beitrag, um Tierversuche auf ein Minimum zu beschränken“, lobte Peter Bleser, Staatssekretär im BMELV anlässlich der Preisverleihung. Doch weist dieses „Minimum“ weiterhin einen steigenden Trend auf: Im vergangenen Jahr hat die Zahl der bei Tierversuchen, in der Forschung und Ausbildung an Hochschulen getöteten Tiere in Deutschland erstmals die Drei-Millionen-Grenze überschritten. Unter den laut Statistik 3.080.727 „verwendeten Tiere“ nehmen Mäuse mit 2,2, Millionen Exemplaren die Spitzenposition ein, gefolgt von Meerschweinchen (418.145 Tiere) und Fischen (166.396).

Tierversuchsfreie Verfahren würden noch immer mangelhaft gefördert; ihre Anerkennungsverfahren dauerten etwa zehn Jahre und damit viel zu lange, kritisiert der Bundesverband der Tierversuchsgegner „Menschen für Tierrechte“. Doch auch er gratuliert den BASF-Wissenschaftlern zum Tierschutzpreis: „Wenn der ökonomisch denkende Chemiekonzern BASF auf tierversuchsfreie Verfahren setzt, dann beweist er damit die Leistungsfähigkeit dieser Methoden.“