Eisschmelze in der Arktis trifft Landtiere wohl stärker als gedacht

Washington. Die starke Eisschmelze in der Arktisregion kann als Dominoeffekt mehr Auswirkungen auf Wildtiere an Land haben als bisher vermutet, berichten US-Forscher im Fachjournal „Science“. Einigen Arten drohe mehr Inzucht, weil sich Tiergruppen nicht mehr wie gewohnt über Eisflächen erreichen könnten. Andere fänden durch die fehlende Eisbarriere plötzlich zueinander – zum Beispiel Eisbären und Grizzlys. Inzwischen sei es bereits zu Paarungen gekommen, die Nachwuchs mit braunen Flecken im weißen Fell, ungewöhnlich langen Krallen und einem buckligen Rücken hervorgebracht hätten. „Die Eisschmelze und längere eisfreie Perioden im Jahr dürften die Vermischung von Populationen fördern“, so der Biologe Eric Post.

Diese Vermischung sei zwar nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge. Allerdings könne sie die Verbreitung von Krankheitserregern unter den einzelnen Populationen beeinflussen. Denn ein weiteres Abschmelzen des Eises in den arktischen Gebieten Kanadas werde wahrscheinlich zu mehr Kontakten zwischen ost- und westarktischen Tierarten führen. Damit aber würden auch verstärkt Krankheitserreger übertragen, die bislang nur in isoliert lebenden Populationen verbreitet gewesen seien.

Dem Bericht zufolge hatte das Arktiseis im Sommer 2012 durch die Erderwärmung seine geringste Ausdehnung seit 1500 Jahren. In den beiden vergangenen Jahrzehnten habe sich die Arktis damit doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt.