Detektor bringt Fortschritt bei Suche nach Dunkler Materie

Das auf der Internationalen Raumstation angebrachte Instrument AMS hat einen Überschuss von Positronen im Weltall gemessen

Genf. Der seit 2011 auf der Internationalen Raumstation ISS montierte Detektor AMS hat bei der Suche nach der mysteriösen Dunklen Materie neue Hinweise geliefert. Forscher um den Physik-Nobelpreisträger Samuel Ting hätten mit dem Gerät einen Überschuss von Positronen im Weltall gemessen, die aus allen Richtungen auf die Erde einprasselten, berichtete das Europäische Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf am Mittwoch.

Positronen sind die positiv geladenen Anti-Teilchen der Elektronen. Sie könnten dabei helfen, eines der größten Rätsel der modernen Physik zu lösen. Nur 4,9 Prozent der sichtbaren und messbaren Masse im Universum scheinen der uns vertrauten Materie zu entsprechen, aus der Menschen, Planeten und Sterne aufgebaut sind. Wie sich der gewaltige, unsichtbare Rest zusammensetzt, ist ein Mysterium.

26,8 Prozent könnten nach jüngsten Berechnungen aus Dunkler Materie bestehen, einer Art Sternenkitt, der Galaxien zusammenhält, obwohl diese zu ihren Rändern hin immer schneller rotieren und deshalb eigentlich auseinanderfliegen müssten. Dunkle Materie leuchtet nicht und reflektiert kein Licht; sie gibt sich nur durch ihre Anziehungskraft zu erkennen.

Die restlichen 68,3 Prozent des Universums könnten aus Dunkler Energie bestehen, einer ebenfalls mysteriösen Kraft, die dafür sorgt, dass der Kosmos immer schneller wächst.

Dunkle Materie besteht einer gängigen Theorie zufolge aus bisher unbekannten Elementarteilchen. Wenn zwei dieser Partikel zusammenstoßen, könnten Positronen entstehen, vermuten Forscher. Das umgerechnet 1,2 Milliarden Euro teure Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS-02) bestätigte mit seinen Positronen-Messungen weniger genaue Messungen des Weltraumteleskops Fermi und des Satelliten Pamela.

Ob die Positronen wirklich ein Hinweis auf die Dunkle Materie sind, wissen die Forscher um Samuel Ting noch nicht. Auch astronomische Objekte wie Pulsare können Positronen ins All feuern. Die Arbeit, die das Journal "Physical Review Letters" veröffentlichen will, liefert dem Cern zufolge jedoch Hinweise, dass die Positronen aus allen Richtungen auf die Erde treffen. Das wäre auch von Teilchen der Dunklen Materie zu erwarten, da diese gleichmäßig um unsere Galaxie verteilt sein müsste. "In den nächsten Monaten wird uns AMS endgültig sagen können, ob diese Positronen ein Signal der Dunklen Materie sind", sagte Ting.