Meeresechsen

Pflasterzahnsaurier aus Europa?

Die Meeresechsen könnten auf dem Gebiet des heutigen Kontinents entstanden sein, zeigt eine Studie.

Zürich/Bonn. So klein wie ein Daumen ist der versteinerte Schädel samt Kiefer und Zähnchen, den Forscher vor Kurzem in Winterswijk (Niederlande) entdeckten. Dass das Fossil trotz dieser Maße und seines Alters von 246 Millionen Jahren hervorragend erhalten ist, sei ein Glücksfall, sagt Thorsten Scheyer. Der Paläontologe von der Universität Zürich hat den Fund mit Kollegen von der Universität Bonn untersucht. Ergebnis: Es handelt sich wohl um die Überreste eines jungen Pflasterzahnsauriers, der bisher nicht gesehene primitive Merkmale aufweist. In Kombination mit dem Fundort und dem hohen Alter des Fossils lasse dies den Schluss zu, dass Pflasterzahnsaurier auf dem Gebiet des heutigen Europa entstanden seien, schreiben die Forscher im Journal "Nature Communications".

Die auch Placodonten genannten Echsen gehörten zu den ersten Meeresreptilien auf der Erde. Sie lebten während der Trias vor 250 bis 200 Millionen Jahren. Ihr Name bezieht sich darauf, dass sie plattenförmige Zähne besaßen, mit denen sie Muscheln und Schnecken aufknacken konnten.

Wo die bis zu zwei Meter langen Echsen entstanden, ist umstritten. Bis 2000 waren Fossilien von jungen und ausgewachsenen Exemplaren nur in Europa und Nordafrika gefunden worden, doch seitdem sind Forscher auch in China auf Überreste von Pflasterzahnsauriern gestoßen. Weil sich während der Trias vom heutigen Mittelmeer bis nach China das sogenannte Tethys-Meer erstreckte, könnten die Placodonten auch in China entstanden sein, so bisherige Vermutungen. Das Exemplar aus Winterswijk hat im Unterschied zu allen bekannten Fossilien eher kegelförmige, spitze Zähne. Diese Merkmale zusammen mit dem hohen Alter deuteten darauf hin, dass es sich um einen sehr primitiven Placodonten handele, aus dem sich die späteren Formen entwickelten, so die Forscher. Und weil das Fossil in Europa gefunden wurde, könnte hier der Ursprung der Placodonten liegen. Diese These ist allerdings nur so lange schlüssig, wie keine ähnlich primitiven und alten Exemplare in China entdeckt werden.