Medizin

Neurologen wollen Eingriff bei Multipler Sklerose verbieten

Bei dem sogenannten Liberation Treatment soll das Aufdehnen von Halsvenen angebliche Blockaden im Blutfluss der Patienten beseitigen.

München. Vor Eingriffen an den Halsvenen zur Therapie von Multipler Sklerose warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Sie bezieht sich damit auf eine US-Studie der University at Buffalo, die jetzt auf einer großen Neurologen-Tagung in San Diego vorgestellt wurde. Bei dem Verfahren, auch Liberation Treatment genannt, handelt es sich um eine Methode, bei der das Aufdehnen von Halsvenen angebliche Blockaden im Blutfluss der Patienten beseitigen soll. Dieser Eingriff wurde weltweit bisher 30.000-mal durchgeführt, auch in Deutschland.

Jetzt hat die bisher strengste Studie zu diesem Thema gezeigt, dass die Therapie schlechtere Ergebnisse brachte als eine Scheinbehandlung, bei der den Patienten nur ein Katheter in die Vene eingeführt wurde. Die beiden US-Studienleiter wandten sich gegen die gängige Praxis, das Verfahren für Selbstzahler zum Preis von mehreren Tausend Euro anzubieten, solange es keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit und schwere Komplikationen gibt.

"Wir müssen MS-Patienten trotz ihrer großen Hoffnungen dringend davon abraten, das Liberation Treatment in Anspruch zu nehmen", warnte auch Prof. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der TU München und Sprecher des Kompetenznetzes Multiple Sklerose. Prof. Ralf Gold, Vorstandsmitglied der DGN, forderte ein Verbot dieser Eingriffe außerhalb von klinischen Studien.

( (cw) )

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