Auf dem Mars war mikrobielles Leben möglich

Rover Curiosity fand Spuren von Schwefel, Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff

Washington. Eine kleine Schaufel voll Mars-Gesteinsstaub könnte die Lösung für eines der größten Rätsel der Raumfahrt gebracht haben: Auf dem Roten Planeten war nach Angaben der Nasa wohl einst mikrobielles Leben möglich. Wie die US-Raumfahrtbehörde mitteilte, seien in einer im Februar vom Rover Curiosity entnommenen Gesteinsprobe Spuren von Schwefel, Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff gefunden worden - alles Stoffe, die bei der Entstehung von Leben eine wichtige Rolle spielen.

"Wir haben eine einst bewohnbare Umgebung gefunden", sagte Nasa-Manager John Grotzinger. "Wir sind alle begeistert und sehr aufgeregt." Wann genau der Mars für die mikroskopisch kleinen Lebewesen bewohnbar war und ob es sie tatsächlich gegeben hat, sei allerdings noch völlig unklar. "Ob das zur selben Zeit war, als auch die Erde schon bewohnbar war, können wir noch nicht sagen. Das alles müssen wir jetzt erforschen", sagte Grotzinger.

Auch Experten in Deutschland warnten vor voreiligen Schlüssen. Der Nachweis von ehemals lebensfreundlichen Bedingungen auf dem Mars sei noch lange kein Nachweis von Leben als solchem, sagte der Mineraloge Tilmann Althaus von der Zeitschrift "Sterne und Weltraum" in Heidelberg. Es seien bislang keine komplexen organischen Moleküle nachgewiesen worden. "Letztere sind aber eine Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es kennen." Althaus wies jedoch darauf hin, dass andere Sonden auf dem Mars erheblich unfreundlichere Bedingungen vorfanden, deshalb sei die neue Meldung von Bedeutung.

Die Entdeckung der Nasa sei sehr hoch einzuschätzen, sagte Walter Goetz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg. Die Umweltbedingungen auf dem Mars seien heute sehr lebensfeindlich: -63 Grad beträgt die Durchschnittstemperatur auf dem Roten Planeten. Seine Atmosphäre besteht zu 95 Prozent aus Kohlendioxid (CO2). Da sei die Erkenntnis, dass Leben dort früher möglich gewesen wäre, schon sehr spannend, sagte Goetz.

Der Stein, den Rover Curiosity angebohrt hatte, besteht offenbar größtenteils aus einer Art Schlammton - aber er enthält eben auch Spuren der besagten Moleküle. Anders als von den Forschern zunächst vermutet, ist der Gesteinsstaub hauptsächlich grau und nicht rot, wie der Mars heute von der Oberfläche her wirkt. Das liege daran, dass die Mineralien in dem Staub nur zum Teil oxidiert seien - also Elektronen abgegeben hätten, erläuterte John Grotzinger.

An der Stelle, wo der Rover gebohrt hat, könnten einst Flüsse oder ein See gewesen sein. "Das Wasser an dieser Stelle war anscheinend so rein, dass wir es hätten trinken können", sagte Grotzinger. Das Wasser sei wohl weder sehr salzig noch sehr sauer gewesen. Die Stelle liegt wenige Hundert Meter von dem Ort entfernt, wo Curiosity 2012 gelandet war. In den kommenden Wochen soll die Maschine in dieser Region weiterforschen.