Martini-Preis für UKE-Forscher

Mediziner fanden Mechanismen zum Schutz vor Übergewicht und zur Entstehung von Arteriosklerose

Hamburg. Der Hamburger Martini-Preis ist am Dienstag an zwei junge Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf für zwei hervorragende Forschungsarbeiten verliehen worden. Privatdozent Dr. Karsten Sydow (Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie) und Dr. Chi-un Choe (Klink für Neurologie) teilen sich den mit 3000 Euro dotierten Preis für Nachwuchswissenschaftler. "Das Kuratorium hat sich für diese Arbeiten entschieden, weil sie wissenschaftliche Originalität mit klaren Perspektiven für klinisch relevante medizinische Fortschritte verbinden", sagte Prof. Ansgar Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr.-Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE.

Dr. Chi-un Choe untersuchte die Bedeutung der Substanz Kreatin für den Stoffwechsel. Diese Säure wird zum Teil mit der Nahrung, vor allem über Fleisch, aufgenommen, zum Teil aber auch vom Körper selbst hergestellt. Kreatin versorgt Muskeln und Gehirn mit Energie. Deswegen führt ein Kreatinmangel zu beeinträchtigter Hirnleistung und Muskelschwäche. Dr. Choe konnte jetzt an Mäusen, die Kreatin nicht mehr selbst herstellen können, nachweisen, dass dieser Mangel aber auch positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben kann: Im Gegensatz zu Mäusen ohne Kreatinmangel nahmen diese Tiere trotz kalorienreicher Kost nicht zu und entwickelten keinen Diabetes. Diese positiven Effekte sollen jetzt für die Entwicklung von Therapieansätzen weiter erforscht werden, ohne dass die negativen Folgen zum Tragen kommen: "Im nächsten Schritt wollen wir Kreatinmangel in bestimmten Zellen auslösen, um Übergewicht und Diabetes zu verhindern", sagte Choe.

Dr. Sydow konzentrierte sich in seiner Arbeit auf die Vorgänge in der Wand von Blutgefäßen, die bei Schäden der Gefäßinnenhaut zu einer Arteriosklerose führen. Dabei konnte er nachweisen, wie das Zusammenspiel von bestimmten Proteinen und Botenstoffen, sogenannten Zytokinen, das Risiko für Erkrankungen von Herz und Kreislauf erhöht. Das Verständnis dieser Mechanismen eröffnet neue Therapieansätze bei Herz-Kreislauferkrankungen, wie bei Verengungen in den Herzkranzgefäßen.

Der Martini-Preis ist der älteste Medizinpreis Deutschlands und wird jährlich an dem Todestag des Chirurgen Dr. Erich Martini verliehen. Er starb am 12. Februar 1880 an einer Blutvergiftung, die er sich durch eine Verletzung bei einer Obduktion zugezogen hatte. Zu seinem Andenken gründeten Freunde, Kollegen und Patienten die Martini-Stiftung, die seit 1883 diesen Forschungspreis vergibt.