Sternenhimmel im Juli

Der Mond, so groß und schleichend

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Thomas W. Kraupe

Das helle Dämmerlicht des Sommers erfüllt die Nächte im Norden in diesem Monat. Dazu gesellt sich der helle Schein des Vollmonds am 3. Juli.

Hamburg. Der Sommer hat gerade erst begonnen, und die Nächte sind im Norden Deutschlands von hellem Dämmerlicht erfüllt. In den ersten Monatstagen kommt dazu noch das helle Licht des Mondes, der am 3. Juli die Vollmondstellung erreicht. Dieser Juli-Vollmond schleicht förmlich am Südhorizont entlang, denn er ist der niedrigste Vollmond in der kürzesten Vollmondnacht des Jahres - bei einem nächtlichen Spaziergang ein besonders schöner Anblick, wenn er zwischen den Bäumen und Häusern hervorlugt und uns besonders groß und durch die Lufthülle der Erde verfärbt erscheint.

Horizontnah im Südwesten leuchten in der Abenddämmerung die beiden Planeten Saturn und Mars. Mars geht bereits um Mitternacht unter. Er wandert wie Saturn vor dem Hintergrund des Sternbilds Jungfrau und rückt immer näher an Saturn heran. Unterhalb von Saturn kann man noch Spica, den hellsten Stern der Jungfrau, sehen. Saturn und Mars verraten sich im Unterschied zu diesem funkelnden Stern durch ihr ruhiges Licht als Planeten. Am schönsten ist der Anblick am 24. und 25. Juli, wenn die Sichel des zunehmenden Mondes neben Mars und Saturn steht.

Über Saturn und Spica, etwa halbhoch im Westen, leuchtet ein noch hellerer Stern: der rötliche Arktur. Er ist der Hauptstern im Sternbild Bärenhüter, das wie ein Kinderdrachen oder eine Eistüte wirkt. Arktur ist ein Stern des nördlichen Himmels, aber er steht immerhin so nah am Himmelsäquator, dass er von allen bewohnten Gegenden rund um die Erde aus beobachtet werden kann. Für die polynesischen Seefahrer war er ein wichtiger Navigationsstern auf ihren Reisen im Pazifik: Jeder Insel war ein Zenitstern zugeordnet, der dort in die Senkrechtstellung gelangte. Arktur war Hawaii zugeordnet. Die nördlich-südliche Distanz nach Hawaii konnten die Navigatoren an der Kulminationshöhe des Sterns ablesen.

+++ Der Sternenhimmel über Deutschland im Juli +++

Arktur ist ein sogenannter Roter Riesenstern, eine bereits gealterte, aufgeblähte Sonne, die knapp 37 Lichtjahre von uns entfernt ist. Wussten Sie, dass Arktur in unseren Breiten der zweithellste Fixstern an unserem Himmel ist? Nur Sirius, der zurzeit zusammen mit der Sonne am Taghimmel steht, übertrifft ihn an Glanz. Allerdings ist der Platz von Arktur hart umkämpft, denn Wega in der Leier erscheint uns praktisch genauso hell wie Arktur. Wega finden wir hoch im Südosten. Zusammen mit Deneb und Atair bildet sie das "Sommerdreieck", ein riesiges gleichschenkeliges Sternendreieck, das wir jetzt die ganze Nacht sehen können.

Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße. Die sommerliche Milchstraße zieht sich vom Südhorizont steil empor über das Sternbild Adler, vorbei an Atair, durch das Sternbild Schwan bis nach Norden. In Norddeutschland müssen wir bis August warten, um diese Milchstraße wieder in dunkler Nacht genießen zu können.

Tief am Südhorizont leuchtet der rötliche Riesenstern Antares im Skorpion. Über Antares und Skorpion finden wir die drei Giganten der Sommernacht: Schlangenträger, Herkules und Drachen. Der Schlangenträger wird durch ein großes Sternenoval gebildet. Es soll den griechischen Gott Aesculapios, den Begründer der Medizin, darstellen. Darüber ist der Held Herkules zu finden und weiter hoch über dem Zenit der Drache. Ein kleines Viereck markiert dabei den Drachenkopf, von dem sich die Sternenkette des Drachens nordwärts windet.

Typisch für den Sommerhimmel ist der Niedergang des Großen Wagens. Die sieben Wagensterne, der hellste Teil des viel größeren Sternbildes Großer Bär, sinken nun im Nordwesten immer tiefer, während das Sommerdreieck zur Himmelsmitte strebt und im Nordosten die Zick-Zack-Linie des "Himmels-Ws" (der Kassiopeia) emporsteigt. Auch die ersten Sterne des Herbsts zeigen sich am Osthorizont: Der Pegasus - das Herbstviereck - und daran anschließend die Sternenkette der Andromeda.

In den Morgenstunden kommt es zum Galaauftritt der beiden hellsten Planeten Venus und Jupiter. Zuerst erscheint der Planet Jupiter: Zu Monatsbeginn müssen wir noch bis gegen 3 Uhr warten, am Monatsende steigt der Riesenplanet schon kurz nach 1 Uhr im Nordosten auf, zusammen mit dem Siebengestirn, dessen Sterne wie ein kleiner Haufen Diamanten über dem Jupiter funkeln. Jupiter durchwandert das "Goldene Tor der Ekliptik", das durch dieses Siebengestirn (die Plejaden) und die Hyaden, die Kopfsterne des Stiers, gebildet werden.

Am 15. Juli zieht der abnehmende Mond genau vor Jupiter: In den Morgenstunden zwischen 2 und 4 Uhr verdeckt er den Planeten, und dies sieht wirklich spektakulär aus, wenn man es - bei freier Sicht nach Nordosten - mit Fernglas oder Fernrohr beobachtet, da man dann am Rand unseres Mondes nicht nur Jupiter, sondern auch dessen vier größten Monde sehen kann. Doch damit nicht genug: Auch Venus gesellt sich dazu und trifft sich, wie schon im Frühjahr, am Abendhimmel mit Jupiter - diesmal am Morgenhimmel. Unser innerer Nachbarplanet hat nach dem Transit vor der Sonne den Wechsel vom "Abendstern" zum "Morgenstern" vollzogen und wird neben Jupiter zum Glanzlicht am Morgenhimmel.

Am 12. Juli erreicht Venus ihren größten Glanz als Morgenstern. Sie strahlt viel heller als der ohnehin schon helle Planet Jupiter. Beide sind bis in die späte Morgendämmerung ein grandioses Paar - den ganzen Monat lang.