Neues vom KlimaCampus

Der Klimawandel ist nicht mediengemacht

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Mike Schäfer

Hamburger Wissenschaftler beleuchten das Verhältnis von Journalisten und Forschern

Klimaforscher haben im Vergleich zu anderen Forschern überdurchschnittlich viel Kontakt zu Journalisten. Das zeigt die bislang umfangreichste Befragung von Klimawissenschaftlern in Deutschland, die ich kürzlich mit meiner KlimaCampus-Arbeitsgruppe und der unabhängigen Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt habe.

Interessant ist außerdem, dass deutsche Klimaforscher durchaus zufrieden mit der Arbeit der Medienvertreter sind. Das Vorurteil, der Klimawandel sei mediengemacht, stimmt demnach ebenso wenig wie die Annahme, dass Wissenschaftler Journalisten für ihre Zwecke manipulieren wollen. Natürlich gibt es einzelne, teils prominente Gegenbeispiele, aber im Großen und Ganzen gilt: Was den Bürgern vermittelt wird, ist das Ergebnis eines erfolgreichen Austausches zwischen Forschern und Journalisten.

Ins Zentrum der weltweiten Berichterstattung rückt der Klimawandel besonders vor internationalen Großereignissen. In so unterschiedlichen Ländern wie Indonesien, Russland, Deutschland oder den USA wird über das Ausmaß des Klimawandels, Zukunftsprognosen und Handlungsmöglichkeiten berichtet. Dies zeigt eine weitere Untersuchung unserer Arbeitsgruppe. Auch die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban Ende des Monats dürfte auf reges Medieninteresse stoßen.

Weitere aufschlussreiche Tendenzen: Der Erstkontakt zwischen Forschern und Medien geht meist von den Journalisten aus. Die meisten Wissenschaftler gehen auf die Gesprächsangebote ein, weil sie die Berichterstattung zum Thema Klima für wichtig halten. Und sie sind bereit, ihre Ergebnisse für die Medien vereinfacht darzustellen, solange sie dafür nicht von wissenschaftlichen Qualitätsstandards abweichen müssen.

Außerdem belegen die Umfrageergebnisse, dass Klimaforscher nicht nur regen Kontakt zu Medien, sondern auch zu Wirtschaft, Politik und Umweltorganisationen haben. Dies zeigt: Wissenschaftliche Themen haben einen festen Platz in der gesellschaftlichen Diskussion. Der Typus des einsamen Forschers im sprichwörtlichen Elfenbeinturm, der, wenn überhaupt, nur im unverständlichen Fachchinesisch von seiner Arbeit berichtet, gehört für den Bereich Klimaforschung weitgehend der Vergangenheit an.

Tatsächlich wird das komplexe Thema Klima in der Öffentlichkeit ausführlich präsentiert und debattiert. Man kann hier - mit den Worten des Bielefelder Soziologen Peter Weingart - von einer "Vergesellschaftung der Wissenschaft" sprechen. Deshalb arbeiten wir an weiteren Studien, die sich mit der Klimakommunikation von Umweltschutzorganisationen sowie von großen deutschen Unternehmen befassen.

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