Kieler entwickeln Methode zur Diagnostik der Pädophilie

Kiel. Sexualmedizinern in Kiel ist es erstmals gelungen, mittels Messung der Hirnaktivität pädophile Männer von nicht pädophilen Männern zu unterscheiden. Die seit 2004 vorbereitete Untersuchung sei weltweit einmalig, sagte Prof. Hartmut Bosinski, Leiter der Sektion für Sexualmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.

Wissenschaftler seiner Abteilung hatten gemeinsam mit Forschern der Kliniken für Neurologie und Neurochirurgie sowie des Instituts für Neuroradiologie die Hirnaktivität von 24 pädophilen Männern und 32 nicht pädophilen Männern im Magnetresonanztomografen (MRT) gemessen. Den Studienteilnehmern wurden währenddessen 400 Bilder von nackten Kindern und nackten Erwachsenen in zufälliger Reihenfolge gezeigt. Jedes der Bilder war nur für eine Sekunde lang zu sehen.

Die gemessene Hirnaktivität auf einzelne Bilder - die Anreicherung des Gehirns mit sauerstoffhaltigem Blut - erlaubte eine Zuordnungssicherheit pädophil/nicht pädophil von 95 Prozent. "Das Gehirn wählt beim Betrachten der Fotos in Bruchteilen von Sekunden aus 'passt zu mir' oder "passt nicht zu mir' und zeigt dementsprechende Aktivität", sagte Prof. Bosinski.

Wichtig sei, dass es sich bei der Messung um ein diagnostisches und nicht um ein kriminologisches Instrument handele, zumal Letzteres verfassungswidrig sei. Bosinski: "Vor einer Therapie von Sexualstraftätern muss eine Diagnose erfolgen. Eine Behandlung kann aber nur Erfolg haben, wenn die Diagnose auch zutrifft." Bisher seien zur Diagnose von Pädophilie vor allem die Angaben der Betreffenden selbst oder die fehlerbehaftete Phallometrie, ein Verfahren zum Messen der Penisreaktion, herangezogen worden.

Nur die Hälfte aller sexuellen Übergriffe auf Kinder, so Bosinski, würde von Pädophilen begangen, die andere Hälfte von Gelegenheits- oder Ersatztätern. Diese müssten unterschiedlich therapiert werden - dazu bedürfe es aber einer sicheren Diagnose.

( (cls) )

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