Urologen planen große Studie zur Therapie des Prostatakrebses

Hamburg. Der bösartige Tumor der Prostata ist mit über 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Jetzt soll eine groß angelegte Studie klären, welche Behandlung beim sogenannten Niedrig-Risiko-Prostatakrebs die richtige ist. Dabei handelt es sich um Tumoren in frühen Stadien, die nur einen geringen Grad von Bösartigkeit aufweisen und deren Wachstum auf die Prostata begrenzt ist. Für die Behandlung stehen zurzeit vier Möglichkeiten zur Verfügung: die Entfernung der Prostata, zwei Formen der Strahlentherapie und die sogenannte aktive Überwachung, bei der die Patienten engmaschig untersucht werden.

"Diese vier Behandlungsalternativen werden in gleicher Weise empfohlen. Es gibt keine harten Daten für die Überlegenheit oder Gleichwertigkeit dieser Therapien", sagte Prof. Michael Stöckle vom Uniklinikum des Saarlandes gestern beim Urologenkongress im CCH. Er leitet die sogenannte Prefere-Studie, die 2012 starten soll: 7000 Männer, die mit jeweils einer dieser vier Methoden behandelt werden, werden mindestens zehn Jahre lang beobachtet.

Forschungsbedarf besteht auch bei der Behandlung der Unfruchtbarkeit. "Ein unerfüllter Kinderwunsch ist auch Männersache, selbst wenn viele Männer das nicht hören wollen", sagte Prof. Wolfgang Weidner, Direktor der Urologie an der Uniklinik Gießen. Bei den 200 000 Paaren im Jahr, die wegen eines unerfüllten Kinderwunsches ärztliche Hilfe suchen, sei in 50 Prozent der Fälle eine der Ursachen der Unfruchtbarkeit bei den Männern zu suchen.

Um diesen Paaren in Zukunft besser helfen zu können, wird die Arbeit von zwei Forschungsgruppen für weitere drei Jahre besonders gefördert. Eine Gruppe an der Uni Gießen untersucht die durch Störungen der Spermienbildung bedingte männliche Unfruchtbarkeit. Schwerpunkt einer Arbeitsgruppe in Münster ist die künstliche Befruchtung. Das Ziel sei, ein Forschungsnetzwerk für Reproduktionsmedizin zu etablieren, sagte Weidner.