Älteste Hand könnte von Urahn des Menschen stammen

Zwei Millionen Jahre alte Fossilien zeigen eine einzigartige Kombination von Merkmalen affenartiger Vorfahren und moderner Menschen

Johannesburg/Leipzig. In der Malapa-Höhle bei Johannesburg entdeckte der Paläoanthropologe Lee Berger von der Witwatersrand-Universität 2008 die zwei Millionen Jahre alten Knochen einer bis dato unbekannten Vormenschenart, der er den Namen Australopithecus sediba gab. Zu den Überresten zählt auch die bisher älteste und besterhaltene Hand eines Homininen. Seitdem hat Berger mit mehr als 80 Forscherkollegen die beiden gut erhaltenen Skelette eines 10- bis 13-jährigen Jungen und einer etwa 30-jährigen Frau untersucht.

Nun präsentiert das Team im Magazin "Science" die Ergebnisse. Demnach zeigt sich bei Australopithecus sediba eine einzigartige Kombination von Merkmalen der affenartigen Vorfahren des Menschen und der modernen Menschen. Die beiden Homininen hätten ein überraschend modernes, aber kleines Gehirn, eine sehr weit entwickelte Hand mit langem Daumen wie beim Menschen, ein sehr menschenähnliches Becken, aber eine ungewöhnliche Fuß- und Knöchelform, die sowohl affen- als auch menschenartig sei. Der Schädel verweise auf sehr menschliche Gesichtszüge.

"Die zahlreichen modernen Merkmale und die frühere Datierung machen die Spezies möglicherweise zum besten Kandidaten als direkter Vorfahr unserer Gattung Homo, mehr noch als frühere Entdeckungen wie Homo habilis", sagt Berger.

Darauf deute insbesondere die gefundene Hand hin, weil sie das älteste und vollständigste Exemplar nach dem Auftauchen von Steinwerkzeugen sei, berichtet ein Team um Tracy Kivell vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Der Australopithecus sediba habe seine Hände zwar noch zum Klettern auf Bäumen nutzen können, gleichzeitig aber über die "Fähigkeit des menschlichen Präzisionsgriffs" verfügt. Auch sie, sagt Kivell, glaube deshalb, dass der Australopithecus sediba ein besserer Kandidat für die Werkzeugherstellung sei als der Homo habilis, der wegen seiner modernen Handmerkmale "geschickter Mensch" getauft worden war.

Womöglich sei es aber auch so gewesen, dass vor zwei Millionen Jahren mehrere Homininen-Spezies existierten, die trotz unterschiedlicher Handanatomie bereits Werkzeug herstellen und damit arbeiten konnten, sagt die Forscherin.