Sternbild

Jupiter wird zum Star der Nacht

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Thomas W. Kraupe

Foto: Planetarium Hamburg

Der Sternenhimmel über Hamburg im August

Hamburg. Im August können wir endlich wieder einen dunklen Nachthimmel genießen, denn der helle Dämmerschein verschwindet bereits gegen 23 Uhr. Hoch über unseren Köpfen funkelt ein bläulich-weißer Stern: die Wega im Sternbild Leier. Wega ist nach unserer Sonne der für die Astronomie wohl wichtigste Stern und nach Arktur der zweithellste Stern des Nordhimmels.

Dieser Lichtpunkt war der erste Stern am Nachthimmel, der fotografiert wurde, und einer der ersten Sterne, dessen Entfernung Astronomen bestimmten. Mit 25 Lichtjahren Distanz ist Wega einer der hellsten Sterne der Sonnenumgebung. Die spektralen Eigenschaften seines Lichts und seine Helligkeit machten Wega zum idealen Nullpunkt und Referenzstern, mit dem die Eigenschaften aller anderen Sterne verglichen wurden. Wer Wega jetzt am Nachthimmel sieht, muss sich vorstellen, dass dieser kleine Lichtpunkt fast dreimal so groß wie unsere Sonne ist und mehr als 50-mal leuchtkräftiger als sie. Die Oberfläche der Wega ist fast 10 000 Grad heiß und dreht sich dabei rasend schnell alle 12,5 Stunden einmal um sich selbst.

+++ Der Sternenhimmel über Deutschland im August +++

Fast so hoch wie Wega steht links (also östlich) von ihr der Stern Deneb im Schwan. Unterhalb der beiden markiert der schwächere Atair die Südspitze des aus diesen drei Sternen gebildeten Sommerdreiecks. Es wird uns bis Dezember begleiten. Allerdings ist es nur in Sommernächten die ganze Nacht über zu sehen - daher sein Name.

Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße. Nur unter besten Sichtbedingungen, abseits störender Lichter, zeigt es sich in seiner vollen Pracht. Die sommerliche Milchstraße zieht sich vom Südhorizont steil empor über das Sternbild Adler vorbei an Atair, durch das Sternbild Schwan an Deneb vorbei bis nach Norden. Es lohnt sich, dieses quer über den Himmel verlaufende Lichtband mit dem Fernglas zu durchwandern: Durch das Gesichtsfeld ziehen dann Abertausende glitzernde Sterne.

Westlich der hellen Wega finden wir hoch im Süden eine eher unscheinbare Sternregion. Sie stellt Herakles dar, einen der großen Helden im antiken Griechenland. Die Römer nannten ihn Herkules. Dieser Name hat sich für das Sternbild bis heute erhalten. In unseren nördlichen Breiten "hängt" Herkules kopfüber, mit den Beinen nach oben gerichtet, am Himmel. Ein Bein ist abgewinkelt, als würde er knien. Deshalb trägt der Stern "Alpha Herculis" den arabischen Eigennamen "Ras Algethi", was so viel wie "der Kopf des Knienden" bedeutet. Die vier zentralen Sterne des Herkules bilden ein einprägsames kleines Trapez.

Im Westen leuchtet der helle, rötliche Stern Arktur im Bärenhüter. Zusammen mit den Sternen des Großen Bären sinkt dieser Frühlingsstern immer tiefer Richtung Nordwesten. Dort, rechts von Arktur, leuchten die sieben Sterne des Großen Wagens.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Himmels zeigen sich bereits vor Mitternacht die Herbststernbilder am Nordosthorizont, darunter Pegasus, das Herbstviereck und die daran anschließende Sternenkette der Andromeda. In den Stunden nach Mitternacht steigen sie immer höher.

Jedes Jahr im August kreuzt unsere Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne die Bahn des Kometen Swift-Tuttle und pflügt durch die von ihm zurückgelassene Querstraße aus Staubteilchen. Die verglühenden Partikel sehen wir als leuchtende Sternschnuppen. Sie scheinen von einem Punkt im Nordosten, dem "Radianten" im Sternbild Perseus, auszustrahlen. Daher ist der Meteorschauer auch als die Perseiden bekannt. Doch dieses Feuerwerk ist nur eingeschränkt sichtbar, weil der Vollmond genau mit dem Maximum der Perseiden am 13. August zusammenfällt. Nur ganz helle Sternschnuppen können sich gegen den Mondschein durchsetzen; die Mehrheit der lichtschwächeren Meteore wird überstrahlt. Halten Sie also schon in den Nächten davor Ausschau, sobald der Mond in den frühen Morgenstunden untergegangen ist - etwa vom 9. bis 11. August ab 3 Uhr morgens -, dann können Sie ohne störendes Mondlicht und abseits der hellen Stadt doch noch viele Sternschnuppen sehen.

Bereits vor Mitternacht betritt im Osten Jupiter die Bühne. Er bremst im August seine Bewegung im Sternbild Widder und kommt am Monatsende relativ zum Sternenhintergrund zum Stillstand. Seine große Zeit naht - die "Oppositionsperiode". Schon jetzt dominiert er die zweite Nachthälfte als hellstes Gestirn.

Ab zwei Uhr ist auch der Planet Mars zu sehen, der viel lichtschwächer als Jupiter ist. Alle anderen Planeten haben sich vom Nachthimmel zurückgezogen. Unsere Nachbarwelt Venus zieht am 16. August in ihrer Oberen Konjunktion an der Sonne vorbei. Dabei steht sie mehr als 100 Millionen Kilometer "hinter" der Sonne. Erst im Winter werden wir die Venus wieder als Abendstern bewundern können