Forschung

Schwämme aus der Tiefsee sind Vorbilder für neue Implantate

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Die Implantate sollen dabei helfen, den menschlichen Körper genauso robust und langlebig zu machen, wie die Schwämme in der Tiefsee.

Dresden. Forscher der Technischen Universität Dresden haben herausgefunden, warum Glasschwämme in der Tiefsee extrem robust sind: Die Experten konnten erstmals Collagen bei den mehrzelligen Organismen nachweisen. Das Protein sei dafür verantwortlich, dass die untersuchten Glasschwämme extrem widerstandsfähig und biegsam seien. Die neuen Erkenntnisse sollen jetzt helfen, Implantate für den menschlichen Körper genauso robust und langlebig zu machen wie die Schwämme in der Tiefsee.

Die stangenartigen Schwämme wachsen in einer Tiefe von fünf Kilometern unter dem Meeresspiegel und bei Temperaturen zwischen minus 1,5 und 0 Grad Celsius. Sie werden bis zu einem Meter lang. Der Dresdner Biochemiker Hermann Ehrlich erklärte, auch bei starken Meeresströmungen brächen sie nicht ab. Bis jetzt war nicht bekannt, dass es überhaupt Collagen in den Schwämmen gibt. Die Erkenntnisse der Forscher wurden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature Chemistry" veröffentlicht.

Danach gibt es diese Glasschwämme schon seit 600 bis 800 Millionen Jahren. "Das beweist, wie gut angepasst und überlebensfähig diese Collagenstrukturen sind", erklärte Ehrlich. Ziel der weiteren Arbeit sei es, menschliches und tierisches Collagen genauso widerstandsfähig zu machen wie das der Tiefseeschwämme. Die neu entwickelten Materialien könnten dann in Implantaten für den menschlichen Körper eingesetzt werden. Die Wissenschaftler rechnen bereits in zwei bis drei Jahren mit Ergebnissen. "Der Erfolg der Strukturen beim Überleben über Jahre hinweg ist in der Natur bewiesen", betonte Ehrlich. "Das wollen wir jetzt in der Medizin nutzen."