Energiekrise im Gehirn als Ursache für Parkinson?

Ein Diabetesmedikament könnte helfen und wird bereits in einer Pilotstudie getestet

Cambridge. Eine Energiekrise im Gehirn könnte jenes verhängnisvolle Absterben von Nervenzellen einleiten, das schließlich in die Parkinson-Krankheit mündet. Diese überraschende Erklärung liefert eine US-Studie für die Ursache der neurodegenerativen Erkrankung. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte ein Energieschub für die Hirnzellen das bislang unaufhaltsame Fortschreiten der Erkrankung bremsen oder sogar stoppen. Ein möglicher Wirkstoff stünde schon zur Verfügung.

Allein in Deutschland leiden bis zu 400 000 Menschen an Morbus Parkinson. Sie verlieren allmählich jene Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die Folge sind Bewegungsstörungen wie etwa Zittern oder steife Glieder. Medikamente können die Symptome lindern, den Verfall aber nicht stoppen. Die Auslöser für das rätselhafte Absterben der Nervenzellen war bisher noch unbekannt.

Clemens Scherzer von der Harvard Medial School (Cambridge, USA) hat mit seiner Arbeitsgruppe nun eine mögliche Ursache gefunden. Die Forscher entdeckten, dass bei Parkinsonpatienten in der Substantia nigra, der Hirnregion, die am meisten vom Zelluntergang betroffen ist, zehn Gengruppen ungewöhnlich träge waren. Es handelt sich um Gene, die an der Energieproduktion in den Mitochondrien beteiligt sind, den "Kraftwerken" der Zelle. "Das könnte eine Hauptursache von Parkinson sein", sagte Studienleiter Scherzer.

Ein Hauptregler kontrolliert diese Gengruppen: Das Gen PGC-1alpha hält die Mitochondrien am Laufen. Ein mögliches Medikament könnte in einem bereits zugelassenen, bestimmten Diabetesmedikament gefunden werden. Es zählt zu einer Reihe von Stoffen, die einen Teil des PGC-1alpha-Signalwegs aktivieren. Der Nutzen des Präparats wird jetzt in einer Studie an Parkinson-Patienten untersucht.