IPCC-Kommission

Forscher raten zu Reform des Weltklimarates

Expertenkommission will mehr Transparenz im Umgang mit wissenschaftlichen Daten

New York. Der Uno-Weltklimarat IPCC liefert die wissenschaftliche Basis für die Klimapolitik und ist dabei in die Kritik geraten. Vereinzelt mangelte es bei Detailaussagen an wissenschaftlichen Belegen, und dem Ratsvorsitzenden Rajendra Pachauri wurde vorgeworfen, er verdiene in Geschäftsbereichen Geld, die von den IPCC-Aussagen beeinflusst werden. Wie beide Problembereiche zukünftig besser zu handhaben sind, beschreibt jetzt ein Gutachten des InterAcademy Council (IAC), ein Zusammenschluss von internationalen Wissenschaftsakademien.

"Der IPCC ist eine wichtige Innovation, denn sie bringt Tausende von Wissenschaftlern unter einen Hut", sagt Prof. Ernst Ludwig Winnacker dem Abendblatt. Der ehemaliger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie Vizepräsident der Nationalakademie Leopoldina vertritt Deutschland in der zwölfköpfigen IPCC-Kommission des IAC. "Die Mitwirkenden des IPCC haben sich sehr gut überlegt, wie sie den Stand der Wissenschaft präsentieren, aber zum Schluss wurde einiges übersehen. Vielleicht aus Überforderung."

Die Quellen der Aussagen müssen deutlich benannt werden

So konnte etwa ein Zahlendreher zur Gletscherschmelze im Himalaja in den jüngsten Bericht von 2007 einfließen. Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit sogenannter Grauer Literatur, also solcher, die nicht von anderen Wissenschaftlern überprüft wurde. Diese Informationsquellen seien sehr wichtig, betont Winnacker, man dürfe Berichte von staatlichen Instituten, Unternehmen, Umweltverbänden und anderen nicht außer Acht lassen. Aber die Quellen müssten deutlich benannt werden. Auch der Umgang mit Forschern, die vom IPCC-Konsens abweichende Positionen vertreten, sollte transparenter werden. Winnacker: "Es muss dokumentiert sein, dass die Studien geprüft worden sind und weshalb sie als nicht stichhaltig beurteilt wurden."

Die Klimaforschung ist ein komplexes Fachgebiet, das sich Modellrechnungen bedient, bei denen es einfacher ist, die ganze Welt abzubilden als die Alpen oder die Ostsee. Und es ist eine Disziplin, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Relevanz oft im Rampenlicht steht und mit ihren Aussagen leicht auf Glatteis gerät. Winnacker: "Es ist wichtig zu beschreiben, wie man zu den Aussagen kommt, etwa wenn es um die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Klimafolgen geht. Wir haben Kriterien für statistische Begriffe wie ,mit hoher Wahrscheinlichkeit' vorgeschlagen, die für naturwissenschaftliche, soziologische oder wirtschaftliche Inhalte gleichermaßen gelten müssen."

Der IPCC-Vorsitz sollte auf eine Amtszeit beschränkt sein

Zur Führungsstruktur schlägt die IAC-Kommission einen Geschäftsführer beim Genfer Büro vor, der die bestehende Kommunikationsschwäche des Rates behebt. Die Ausübung des IPCC-Vorsitzes sollte auf eine Amtszeit (sechs Jahre) statt derzeit zwei beschränkt sein - Rajenda Pachauri ist bereits in der zweiten Amtszeit.

Das Fachgebiet vom Kommissionsmitglied Ernst Ludwig Winnacker ist das menschliche Genom inklusive Fragen zu den biologischen Grundlagen der Intelligenz. Wie die anderen Kommissionsmitglieder ist er also fachfremd und vielleicht auch deshalb ein guter Ratgeber für den Weltklimarat.