Kunstherzen

Kleine Pumpen für schwache Herzen

Lesedauer: 4 Minuten
Cornelia Werner

Foto: Pressebild.de/ Bertold Fabricius

Experten präsentierten neue Forschungsergebnisse zu Herz- und Lungentransplantationen auf einem internationalen Kongress in Chicago

Wenn das Herz immer schwächer wird und die Lungen den Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgen können, hilft manchmal nur noch eine Transplantation. Doch die bange Frage ist immer: Steht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung? Große Hoffnungen ruhen deshalb auf sogenannten Kunstherzen. Diese kleinen mechanischen Pumpen, die schwache Herzen unterstützen, sind mittlerweile so weit entwickelt, dass sie in bestimmten Fällen Patienten nicht nur vorübergehend, sondern schon dauerhaft eingesetzt werden.

Das war eines der neuen Forschungsergebnisse, die jetzt auf der 30. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation in Chicago diskutiert wurden. "Dort treffen sich einmal pro Jahr alle Experten, die an der Betreuung dieser Patienten beteiligt sind, unter anderem Ärzte, Pflegekräfte und Psychologen", sagt Prof. Hermann Reichenspurner, Direktor des Universitären Herzzentrums am Uniklinikum Eppendorf, der den Kongress mit 2500 Teilnehmern leitete.

Heute werden weltweit mehr als 2000 Kunstherzen pro Jahr zur Unterstützung des Herzens eingesetzt. Früher bekam ein Patient auf der Warteliste für ein neues Herz ein Kunstherz, wenn sich sein Befinden verschlechterte. Damit wurde die Zeit bis zur Transplantation überbrückt. "Doch diese Systeme werden immer besser, die Geräte immer kleiner. Sie werden heute an der Herzspitze des Patienten eingesetzt, über einen Schlauch an die Hauptschlagader angeschlossen und pumpen zehn Liter Blut in der Minute", erklärt der Herzchirurg. Der Unterschied zum Herzen ist, dass sie kontinuierlich pumpen und nicht pulsierend. "Es hat sich gezeigt, dass diese sogenannten kontinuierlichen Flussgeräte niedrigere Komplikationsraten haben als die pulsatilen Systeme", sagt Reichenspurner.

Vorübergehend werden sie eingesetzt, wenn das Herz des Patienten sich erholen muss, zum Beispiel bei dem jungen Sportler, der nach einem Virusinfekt mit einer Herzmuskelentzündung zusammenbricht und wiederbelebt werden muss. "Als endgültige Lösung kommt es für Patienten infrage, bei denen eine Herztransplantation nicht möglich ist, zum Beispiel weil sie dafür zu alt sind oder eine Tumorerkrankung haben, bei der die Medikamente zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion nicht angewendet werden können, oder für Patienten, für die man kein Spenderherz bekommt. "Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, kann man sich gut vorstellen, dass das Kunstherz bei bestimmten Patienten auch langfristig die Alternative zur Herztransplantation sein könnte", sagt Reichenspurner.

Doch zurzeit garantiert die Transplantation den Patienten noch am meisten Lebensqualität, unabhängig von Batterien und Kabeln - auch wenn sie ständig Medikamente nehmen müssen, damit ihr Körper das fremde Organ toleriert. Auf dem Kongress wurden neue Medikamentengruppen vorgestellt, die Abstoßungsreaktionen verhindern: "Es gibt einen neuen Antikörper, der die Abstoßungsreaktionen deutlich unterdrückt. Es ist einer der besten Antiköper, die es bis jetzt gab. Eine andere Medikamentenklasse wirkt sich vor allem positiv auf die Nierenfunktion aus", sagt Reichenspurner. Eine Schwachstelle der gängigen Medikamente Cyclosporin und Tacrolimus ist, dass sie zwar die Abstoßung unterdrücken, aber die Nieren schädigen. "Wenn man die neuen Mittel mit Tacrolimus und Cyclosporin kombiniert, kann man diese reduzieren und so die Nieren schonen."

Bei Lungentransplantationen stellt sich oft das Problem, dass Organe nicht verwendet werden können, weil die Spender etwa bei Unfällen schwere Lungenverletzungen erlitten haben. "Deshalb gibt es Arbeitsgruppen, unter anderem auch am UKE, die sich mit der Frage beschäftigen, ob man die Lunge nach der Organentnahme so behandeln kann, dass sich ihre Funktion wieder verbessert, um sie dann doch noch zu transplantieren", erklärt Reichenspurner. Dabei werden im Tierexperiment geschädigte Schweinelungen über eine Maschine durchblutet und beatmet und mit bestimmten Lösungen durchspült. "Dadurch lässt sich eine gewisse Regeneration erreichen".

Erforscht wird auch, welche Medikamente die Abstoßungsreaktion gegen die fremde Lunge am besten unterdrücken: So stellte Dr. Hendrik Treede vom UKE eine große internationale Studie zum Vergleich der Medikamente Tacrolimus und Cyclosporin in der Anwendung nach Lungentransplantationen vor. Durch Tacrolimus konnte eine chronische Abstoßung deutlich besser verhindert werden. In einer kanadischen Studie wurden Patienten über eine Inhalation Gensequenzen verabreicht, die verhindern sollen, dass das Immunsystem des Patienten die transplantierte Lunge als fremd erkennt.