Delfine kooperieren beim Frauenklau

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Die Männchen der Meeressäuger leben ansonsten in einer offenen Sozialstruktur

Zürich. Delfine sind in vielem einzigartig. Delfinmännchen bilden einerseits Allianzen mit anderen und leben andererseits in einer offenen Sozialstruktur. Dieses im Tierreich ungewöhnliche Verhalten konnten Anthropologen der Universität Zürich an Delfinen in der Shark Bay in Australien nachweisen.

Bereits in den 90er-Jahren zeigten Studien, dass zwei bis drei männliche Delfine sehr eng miteinander kooperieren, um weibliche Delfine zur Verpaarung von der Großgruppe zu isolieren. Diese sogenannten Allianzen erster Ordnung schließen sich manchmal zusammen, um Weibchen, die von anderen Allianzen monopolisiert werden, zu stehlen. Diese Verbindung unter Männchen auf höherer Ebene ist jedoch teilweise höchst opportunistisch und kann je nach Kontext wechseln. Die Bildung von Allianzen bei Delfinen ist in ihrer Komplexität nur mit derjenigen von Menschen vergleichbar.

Eine neue Studie von Forschern aus den USA, Australien und Zürich belegt nun, dass diesen männlichen Allianzen eine offene Sozialstruktur zugrunde liegt. Delfine haben vielschichtige Beziehungen zu anderen Individuen innerhalb eines komplexen Geflechts ohne offensichtliche Gruppenstruktur. Als Vergleich drängt sich die Sozialstruktur von Schimpansen auf. Auch Schimpansenmännchen bilden Allianzen, jedoch nur zwischen sozialen Gruppen. Dadurch verteidigen sie ihr Territorium gegen Artgenossen aus anderen Gruppen. Dies ist bei Delfinen jedoch nicht der Fall: Sie verteidigen die Weibchen und nicht Territorien.

Ein weiteres Erklärungsmodell wäre, dass Delfinmännchen nur während der Paarungszeit Weibchen verteidigen und sich dabei weitestgehend aus dem Weg gehen. Auch diese Hypothese trifft für Delfine in Shark Bay nicht zu, wie die Beobachtung von über 120 erwachsenen Delfinen in einem Gebiet von rund 600 Quadratkilometern ergab.

"Unsere Studie zeigt erstmalig, dass die Sozialstruktur und das damit einhergehende Verhalten von Delfinen im Tierreich einzigartig ist", so Michael Krützen von der Uni Zürich.

( (HA) )