Universitätsklinikum Eppendorf

Neue Ansätze: Hepatitis C früher behandeln

Hamburger Forscher des UKE entdeckten einen Funktionsverlust bei bestimmten Immunsystem-Zellen, der vermieden werden kann.

Hamburg. Neue Ansätze zur Bekämpfung der Hepatitis C haben jetzt Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf entdeckt. Zusammen mit US-Forschern der Harvard Medical School in Boston fanden sie heraus, dass bei einem chronischen Verlauf dieser infektiösen Leberentzündung bestimmte anfangs noch gut erkennbare Zellen des Immunsystems immer mehr Defekte zeigen und schließlich ganz verschwinden. Wird frühzeitig mit einer Therapie begonnen, die sich gegen die Viren richtet, kann dieser Funktionsverlust gestoppt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Medicine" veröffentlicht.

Die Gefahr, dass die Infektion unerkannt bleibt und chronisch wird, ist bei der Hepatitis C besonders groß. Nur etwa 20 Prozent der Patienten zeigen vier bis acht Wochen nach der Infektion typische Symptome wie Gelbsucht, Oberbauchbeschwerden, Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Nur bei ungefähr der Hälfte dieser Patienten heilt die Erkrankung ohne weitere Folgen aus, bei der anderen Hälfte geht sie in eine chronische Form über, die schließlich zu einer Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen kann.

+++ Erster Impfstoff gegen Hepatitis C entwickelt +++

An einer solchen chronischen Hepatitis leiden in Deutschland etwa 500.000 Menschen. Weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen davon betroffen. Hauptübertragungsweg ist der Kontakt mit infiziertem Blut, zum Beispiel durch den gemeinsamen Gebrauch verseuchter Injektionsnadeln bei Drogenabhängigen. Allerdings kann bei vielen Patienten der Übertragungsweg nicht nachvollzogen werden.

Anders als bei der Hepatitis A und der Hepatitis B gibt es gegen die Hepatitis C noch keinen schützenden Impfstoff. Umso wichtiger sind neue Ansätze, um auf medikamentösem Wege zu verhindern, dass die Infektion chronisch wird. Diesem Ziel sind die Forscher jetzt mit ihrer Studie einen Schritt näher gekommen.

+++ Neues Angriffsziel für Hepatitis-C-Therapie entdeckt +++

Das Hauptaugenmerk der Forscher lag auf den sogenannten T-Helferzellen. "Sie koordinieren im Immunsystem die Arbeit der Antikörper und der Killerzellen. Nur wenn diese richtig zusammenwirken, kann die körpereigene Abwehr die Leberzellen, die mit dem Virus infiziert sind, vernichten. In unserer Untersuchung haben wir festgestellt, dass bei einer akuten Hepatitis diese durch T-Helferzellen vermittelte Reaktion des Immunsystems immer vorhanden ist. Erst wenn die Infektion chronisch wird, versagen die T-Helferzellen und in der Folge auch die Killerzellen, sodass das Virus nicht mehr abgetötet werden kann", erklärt Studienleiter Dr. Julian Schulze zur Wiesch vom Sonderforschungsbereich 841 "Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen" am UKE. Bislang war nicht klar, warum bei Patienten mit einer chronischen Infektion keine Hepatitis-C-Virus-spezifischen T-Helferzellen im Blut nachgewiesen werden können.

Die Forscher fanden auch heraus, dass der Funktionsverlust der T-Helferzellen durch eine früh einsetzende antivirale Therapie verhindert oder sogar rückgängig gemacht werden kann. Deswegen, so Schulze zur Wiesch, sollte mit einer solchen Therapie frühzeitig begonnen werden, möglichst in den ersten sechs Monaten nach der Infektion. "Das könnte auch für den Fall wichtig sein, dass der Patient sich ein zweites Mal mit dem Virus ansteckt. Dann wäre sein Immunsystem bereits dagegen gewappnet und hätte eine bessere Chance, damit fertig zu werden", sagt Schulze zur Wiesch.

"Bei einer akuten Hepatitis C kann man das Virus in fast 90 Prozent der Fälle durch die Therapie mit dem Medikament Interferon eliminieren", sagt der Forscher. In der chronischen Phase sei dann eine Kombinationstherapie mit mehreren Medikamenten nötig. Seit dem vergangenen Sommer gebe es eine neue Medikamentenklasse, sodass jetzt eine Dreierkombination eingesetzt werde, mit der sich bei bis zu 75 Prozent der Patienten eine Ausheilung erreichen lasse. Allerdings sei diese Therapie auch mit sehr vielen Nebenwirkungen verbunden, zum Beispiel Depressionen, Hautausschlag, Fieber, Schüttelfrost oder Blutveränderungen. Zu bedenken ist auch, dass diese Therapie mit Kosten von 20 000 bis über 50 000 Euro pro Jahr sehr teuer ist und deshalb für viele Infizierte weltweit nicht zur Verfügung steht.

Deswegen ist die große Hoffnung von Schulze zur Wiesch und seinen Kollegen, möglichst bald einen Impfstoff gegen diese Infektion zu entwickeln. "Dies ist sehr schwierig, weil das Virus sehr leicht mutiert und deswegen immer wieder seine Oberfläche verändert, sodass es vom Immunsystem nicht mehr erkannt wird", sagt Schulze zur Wiesch.

Erste Erfolg versprechende Versuche mit einem Impfstoff seien jetzt in einer englischen Studie bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion gestartet worden. Bei ihnen konnte nach Gabe des Impfstoffs eine starke Reaktion des Immunsystems gegen das Virus nachgewiesen werden.

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