Forschung

Schutz vor Fehlprognosen zum Klima

Falsche Angaben über die Gletscherschmelze, gestohlene E-Mails, in denen angeblich von Datenmanipulation die Rede ist - solche Nachrichten um den 4. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) haben das Vertrauen in die Klimaforschung erschüttert. Jetzt wurden die Autoren für den 5. Bericht ausgewählt, der 2013 erscheinen soll. Gleichzeitig prüft eine unabhängige Kommission das Verfahren, bei dem Wissenschaftler im Auftrag ihrer Regierungen den Wissensstand der Klimaforschung zusammenfassen und dabei Gefahren und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Welche Veränderungen nötig sind, um das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederzugewinnen, haben deutsche Klimaforscher jetzt am KlimaCampus der Universität Hamburg diskutiert.

Der letzte Bericht sagte das Abschmelzen der Himalajagletscher 300 Jahre zu früh voraus - 2035 statt 2350. Ein Zahlendreher, den die Experten des IPCC aus einer anderen Prognose übernommen hatten. Um solch grobe Fehler zu vermeiden, sollte die Quelle der Daten stets hinterlegt werden, fordern Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven und Jochen Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Hamburg. Zwar ist es beim IPCC Standard, dass Autoren die Texte gegenlesen. Doch gerade bei "grauer" Literatur, also nicht wissenschaftlichen Berichten von Organisationen oder Statistiken der Behörden, sei Achtsamkeit nötig. Regierungen ließen Wissenschaftlern dazu kaum Gelegenheit, bemängelt Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel.

Die Folgen des Klimawandels würden häufiger über- als untertrieben. An eine bewusste Manipulation glaubt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Martin Claußen nicht: "Für mich als Wissenschaftler ist es schwer, nicht die Welt retten zu wollen." Von der Erderwärmung sei schließlich jeder betroffen, doch müssten die Wissenschaftler ihre Objektivität bewahren.

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